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12.02.2018, 17:31 Uhr DIE GENOSSEN UN DIE GROKO

Warum die SPD zur Zustimmung verdammt ist

Kommentar von Uwe Westdörp

Soll die Führung der SPD übernehmen: die Bundestagsfraktionsvorsitzende Andrea Nahles. Foto: dpaSoll die Führung der SPD übernehmen: die Bundestagsfraktionsvorsitzende Andrea Nahles. Foto: dpa

Osnabrück. Die Sozialdemokraten ringen nach parteiinternen Querelen um eine Erneuerung und setzen dabei auf bewährte Kräfte: Fraktionschefin Andrea Nahles wird den Parteivorsitz voraussichtlich schon an diesem Dienstag kommissarisch übernehmen. Es ist ein riskantes Kommando.

Es ist atemberaubend, wie schnell die SPD ihre Chefs wechselt. Martin Schulz, vor einem Jahr noch der 100-Prozent-Vorsitzende und im Dezember im Amt bestätigt, ist beinahe schon eine Person der Vergangenheit. Nun soll alles ganz schnell gehen und Andrea Nahles die SPD in ruhigere Gewässer steuern. Ob ihr das gelingt, steht freilich in den Sternen.

Als gefährliche Klippe erweist sich die Mitgliederbefragung. Sagt die Basis Nein zur Koalition mit der Union, kann Nahles gleich wieder einpacken.

Doch so weit muss es nicht kommen. Immerhin wissen alle Genossen, dass Neuwahlen die SPD zur Randerscheinung degradieren könnten. Also ist es naheliegend, grünes Licht für die Groko zu geben – auch wenn die Sehnsucht nach der Opposition bei vielen noch so groß ist.

Hinzu kommt: Die SPD hat gut verhandelt, inhaltlich und bei der Ressortverteilung klare Akzente gesetzt. Niemand würde verstehen, wenn sie das aufs Spiel setzen sollte. Es ist deshalb richtig, dass die Partei ihre Führungsfrage schnell regelt. Nur so kann sie erreichen, dass wieder über Inhalte diskutiert wird – und nicht nur über Posten.

Mit Nahles steht im Übrigen eine respektable Kandidatin bereit, nicht nur für den Übergang. Sie hat die Erfahrung und den Biss, den die Führungsposition verlangt. An ihrem oft ruppigen und mitunter peinlichen Auftreten muss sie aber noch arbeiten.


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