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11.02.2018, 14:52 Uhr KOMMENTAR

Einladung nach Nordkorea: Olympischer Schachzug

Kommentar von Maik Nolte

Handschlag zwischen Nord und Süd: Moon Jae In wmpfängt Kim Jong Uns Schwester und Beraterin Kim Yo Jong. Foto: AFPHandschlag zwischen Nord und Süd: Moon Jae In wmpfängt Kim Jong Uns Schwester und Beraterin Kim Yo Jong. Foto: AFP

Osnabrück. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un lässt über seine Schwester eine Einladung an den südkoreanischen Präsidenten ausrichten. Schon ist die Rede vom Tauwetter - Olympiastimmung allein hat aber noch nie ein Problem gelöst..

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un lädt den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zu einem persönlichen Treffen ein. Bricht nun das große Tauwetter an? Rückt eine Lösung der Atomwaffenkrise in Reichweite? Ach wo. In erster Linie ist es ein weiterer Schachzug im großen Spiel. Wer mehr darin sehen will, fällt bloß auf diese gefühlige Friedensduselei herein, die alle Olympischen Spiele umgibt. Zu einer grundlegend besseren Welt hat diese Sportveranstaltung allerdings noch nie geführt.

Kim versucht – und das nicht erst mit dieser Einladung –, einen Keil zwischen Südkorea und dessen Verbündeten USA zu treiben. Entsprechend nervös klingt die Reaktion von US-Vizepräsident Mike Pence, der die Einladung sogleich als „Propaganda-Farce“ brandmarkt.

Dennoch, oder gerade deswegen, sollte Moon die Einladung annehmen. Zum einen schadet es ja nicht, auch andere Staatschefs aus Seoul haben den Norden besucht. Zum anderen geht die Frage, wie sich die Beziehungen zwischen Nord und Süd verbessern lassen, zuallererst die Koreaner selbst an. Das Haupthemmnis für ein friedliches Miteinander, das Atomwaffenprogramm Pjöngjangs, wird durch ein solches Treffen zwar auch nicht beseitigt. Aber es könnte zur Abwechslung ein Dialog geführt werden, der nicht durch gegenseitige Vernichtungsdrohungen geprägt ist. Und das wäre doch auch schon was.


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