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09.02.2018, 17:31 Uhr SCHWIERIGE VERHANDLUNGEN

Der Ton beim Brexit wird rauer - und das ist richtig so

Von Marion Trimborn


Brüssel macht in den Brexit-Verhandlungen zurecht Druck. Foto: dpaBrüssel macht in den Brexit-Verhandlungen zurecht Druck. Foto: dpa

Osnabrück. Eigentlich hätten die Briten mal konkrete Pläne für die Übergangsphase nach dem EU-Ausstieg vorlegen sollen. Doch die zerstrittene Regierung unter Premierministerin Theresa May denkt nicht dran. Die EU ist genervt, der Ton wird rauer. Egal - denn nur so geht es voran. Ein Kommentar.

Wer hat eigentlich geglaubt, dass die Scheidung einfach würde? Die illusorischen Versprechen der Brexit-Befürworter sind inzwischen wie Seifenblasen zerplatzt. Jedem Briten dürfte klar sein, dass der selbst gewollte Ausstieg im März 2019 aus der EU kompliziert und teuer wird.

Dennoch macht die völlig zerstrittene Regierungsmannschaft unter Premierministerin Theresa May eifrig weiter mit der Schönfärberei. Und hielt etwa eine Studie zurück, wonach das Land wirtschaftlich durch den EU-Austritt in jedem Fall verliert. Das ist nicht nur verantwortungslos gegenüber der eigenen Bevölkerung, sondern bringt auch die EU-Unterhändler in Rage. Verhandlungen mit einer britischen Regierung, die unkonkret, zaudernd und unwillig daher kommt, sind verdammt schwer. Eine schwache Premierministerin May, die ständig ihren Sturz fürchten muss, scheint wenig verlässlich.

Dabei ist noch nichts wirklich geklärt. Wie soll die Grenze zwischen Nordirland und Irland nun genau aussehen? Wie kann London den Zugang zum Binnenmarkt möglichst lange ohne Zölle nutzen? Dass die EU hart bleibt und sogar Sanktionen androht, wenn London sich in der Übergangszeit nicht an die EU-Regeln hält, zeugt keineswegs von Rachegelüsten. Es ist lediglich konsequent. Immerhin hat Brüssel den Briten ja in einer Charmeoffensive angeboten, in der EU zu bleiben. Solch eine Kehrtwende ist derzeit aber nicht realistisch. Das Gezerre wird noch lange dauern und Brüssel die Daumenschrauben weiter anziehen. Denn nur so kommt man voran – auch wenn der Brexit eine Schnapsidee ist und bleibt.


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