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09.02.2018, 17:06 Uhr KOMMENTAR

Kühnert, Spahn, Lindner: Übernehmen Sie!

Kommentar von Burkhard Ewert

Dreiköpfige Zukunft: Mit Jens Spahn für die CDU, Kevin Kühnert aus der SPD und Christian Lindner bei der FDP steht eine neue Generation bereit (Namen von links). Fotos: dpaDreiköpfige Zukunft: Mit Jens Spahn für die CDU, Kevin Kühnert aus der SPD und Christian Lindner bei der FDP steht eine neue Generation bereit (Namen von links). Fotos: dpa

Osnabrück. Es gibt in Deutschland politisches Personal, das über Charakterstärke verfügt und unterscheidbare weltanschauliche Prinzipien verkörpert. Seine Zeit wird kommen – am liebsten rasch.

Nach der Bundestagswahl erschien im „Spiegel“ ein Porträt über Martin Schulz, in dem er ungewöhnlich ungefiltert Auskunft gab. Ein zentrales Motiv des Textes war, wie sehr der gescheiterte Spitzenkandidat der Sozialdemokraten mit seinen Beratern haderte. Sie hätten ihm diese Malaise eingebrockt, weil er nicht er selbst hätte sein dürfen.

In diesen Tagen war Schulz er selbst. Dem Vernehmen nach hat jeder, wirklich jeder ihm in den vergangenen Tagen geraten, alles zu werden, nicht aber ins Kabinett einzutreten. Der Noch-Vorsitzende der SPD hat sich anders entschieden, einsam. Das Ergebnis ist bekannt. Die Schuld trägt er allein.

Justizminister. Das wäre ihm vielleicht noch verziehen worden. Aber das Außenamt? Schulz hatte ganz offenkundig nicht verstanden, wie sehr er die Hoffnungen im vergangenen Jahr enttäuscht hatte, und zwar umso stärker, je näher die Menschen ihn kennenlernten.

Es gebietet der Anstand, nicht nachzutreten, da Schulz nun am Boden liegt. Doch sich zu beherrschen fällt schwer.

Was die neue Regierung betrifft, steckt sie in ihrer ersten Krise, bevor es sie überhaupt gibt. Eine Koalitionsvereinbarung zu treffen, die gleich beide Partner Richtung Abgrund treibt, ist einmalig. In der SPD übernimmt Andrea Nahles mit einem Ballast den Vorsitz, den kein Mensch würde abwerfen können – zumal sie selbst dazu zählt. Mit seiner überheblichen Art ist auch Olaf Scholz kein Sympathieträger. Was zieht ihn nach Berlin?

Wer wiederum spontan richtig lag in seiner Analyse, war Kevin Kühnert. Der Juso-Chef, der die SPD nie in der Regierung sehen wollte und sich zugleich jede noch so naheliegende persönliche Attacke verkneift, zeigte sich umgehend fassungslos über Schulz. Kühnert war sofort klar, dass der anmaßende Wortbruch des Vorsitzenden die SPD weiter nach unten riss, obwohl ihm die Empörung für seine No-Groko-Kampagne sogar nutzte.

Der Juso-Chef bewies damit mehr Stil und politischen Instinkt als die nominierten sozialdemokratischen Kabinettsaspiranten zusammen. Auch Christian Lindner hatte alles kommen sehen. Er für die Liberalen, Kühnert für die SPD und Jens Spahn als unverdorbener Vertreter der CDU: Es gibt in Deutschland politische Talente, die über Charakterstärke verfügen und eine für sich genommen jeweils überzeugende programmatische Unterscheidbarkeit verkörpern.

Ihre Zeit wird kommen – gerne rasch.

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