„Mister Europa“ ohne Posten Martin Schulz steht mit leeren Händen da

Sein Werdegang hatte Höhen und Tiefen: Martin Schulz gibt dem internen Druck seiner Partei nach und verzichtet auf den Parteivorsitz und ein Ministeramt. Foto: AFPSein Werdegang hatte Höhen und Tiefen: Martin Schulz gibt dem internen Druck seiner Partei nach und verzichtet auf den Parteivorsitz und ein Ministeramt. Foto: AFP

dpa/lod Berlin. Martin Schulz hat nach Druck aus den eigenen Reihen auf den Außenamts-Posten verzichtet. Dass er den SPD-Parteivorsitz abgibt, hatte er schon nach der Groko-Einigung verkündet. Ein Rückblick auf seine politische Karriere.

In Europa ist Martin Schulz bekannt wie ein bunter Hund – spätestens seit 2003, als der damalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ihn mit einem Nazi-Vergleich beleidigte. Als wortgewaltiger „Mister Europa“ hat er keinen Streit gescheut, um für das Friedensprojekt EU zu trommeln. Die Bundespolitik ist dem 62-Jährigen dagegen weniger vertraut gewesen.

Schulz spricht sechs Sprachen – aber bei sich zu Hause in Würselen bei Aachen redet er mit den Leuten „Wöschelter Platt“. In seiner Heimat genießt er viele Sympathien, auch bundesweit war dies so. Als Sigmar Gabriel vor einem Jahr zugunsten von Schulz auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur verzichtete, dümpelte die SPD bei knapp über 20 Prozent. Mit Schulz an der Spitze setzte die Partei in Umfragen zum Höhenflug an. Er wird wie ein Messias mit 100 Prozent zum neuen SPD-Vorsitzenden gewählt. Doch dann gehen drei Landtagswahlen verloren. Der negative Höhepunkt: Bei der Bundestagswahl im September stürzt die Partei auf ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik.

Vom Rathaus ins EU-Parlament

In die SPD tritt der Sohn eines Polizisten und einer CDU-Kommunalpolitikerin 1974 ein. Als junger Mann träumt der talentierte Kicker von einer Karriere als Fußball-Profi. Dann kommt der Absturz. Schulz trinkt zu viel: „Ich war ein Sausack.“ Er besiegt die Alkoholsucht und wird Buchhändler. Mit 31 Jahren wird er 1987 Bürgermeister von Würselen, als damals jüngster Bürgermeister Nordrhein-Westfalens.

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Sieben Jahre später folgt der Einzug ins Europaparlament, wo er erst Vorsitzender der Sozialdemokraten und schließlich Parlamentspräsident wird. 2015 wird er für seinen Beitrag zur Stärkung der europäischen Demokratie mit dem Aachener Karlspreis geehrt. Im Januar 2017 verabschiedet er sich als Präsident des Europaparlaments. Schulz hätte gerne weitergemacht. Die Konservativen aber beanspruchten den Job für sich. Nach rund einem Jahr mit SPD-Vorsitz, Kanzlerkandidatur und dem Schmieden einer neuen Großen Koalition steht er nun mit leeren Händen da.

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