Stiftung Patientenschutz Vorstand Brysch: Koalitionsvertrag ignoriert die Sorgen Sterbender

Von Melanie Heike Schmidt

Eugen Brysch, Vorstand Deutsche Stiftung Patientenschutz, fordert mehr Hausbesuche insbesondere bei alten Patienten: „Wer sich Hausarzt nennt, der muss auch ins Haus kommen“, sagt er. Foto: David EbenerEugen Brysch, Vorstand Deutsche Stiftung Patientenschutz, fordert mehr Hausbesuche insbesondere bei alten Patienten: „Wer sich Hausarzt nennt, der muss auch ins Haus kommen“, sagt er. Foto: David Ebener

Osnabrück. Aus Sicht von Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, ignoriert der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD weitgehend die Sorgen der pflegebedürftigen, schwerstkranken und sterbenden Menschen im Land.

Osnabrück. „Bei vielen Themen herrscht das Prinzip Gießkanne, während große Nöte in einem Nebensatz abgehandelt werden“, sagte Brysch in einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Schon jetzt steigen die Kosten in der stationären Pflege um bis zu 35 Prozent. Eine Abhilfe schafft die Große Koalition aber nicht“, kritisierte er. „Hier macht Pflege arm“, warnte er. Daran könne auch das Sofortprogramm für 8000 zusätzliche Pflegestellen nichts ändern. „Denn es bleibt dabei, dass Pflegeheimbewohner die medizinische Behandlungspflege auch zukünftig aus eigener Tasche zahlen müssen. Das sind monatlich rund 300 Euro.“

„Rechtsanspruch auf Hospizleistungen verweigert“

Auch für die jährlich mehr als 200000 Sterbenden mit Palliativbedarf in den Pflegeheimen vermisst der Patientenschützer konkrete Verbesserungen: „Diesen Menschen wird weiterhin ein Rechtsanspruch auf Hospizleistungen verweigert.“

Auch der überfällige Entschädigungsfonds bei Behandlungsfehlern werde „auf die lange Bank geschoben“, bedauerte Brysch.

Zeit für Hausbesuche reservieren

Begrüßenswert sei jedoch die von Schwarz-Rot beschlossene Erhöhung der Hausarzt-Sprechzeiten von 20 auf 25 Stunden pro Woche. Allerdings sei es „gerade für viele alte Menschen kaum möglich, den Arzt aufzusuchen“, so der Patientenschützer. „Wer sich Hausarzt nennt, der muss auch ins Haus kommen. Die zusätzliche Zeit muss daher für Hausbesuche reserviert werden“, forderte Brysch.