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07.02.2018, 17:48 Uhr 760 MILLIARDEN AN PROBLEMKREDITEN

Europas Banken: Bedingt krisenfest

Kommentar von Uwe Westdörp

Die Banken in der Eurozone sindDie Banken in der Eurozone sind

Osnabrück. Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Die Bilanz der EZB-Bankenaufsicht erinnert daran, welche tiefe Spuren die Weltfinanzkrise vor einem Jahrzehnt hinterlassen hat. Noch immer sitzen viele Banken im Euroraum auf milliardenschweren Problemkrediten. Krisenfest sind sie damit kaum. Ein Kommentar.

Nein, die Banken in der Eurozone sind auch zehn Jahre nach der großen Weltfinanzkrise noch lange nicht aus dem Schneider. Ein wichtiges Indiz dafür ist der immer noch gewaltige Berg von Problemkrediten. Deren Summe beläuft sich nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 760 Milliarden Euro – ein enormes Ausfallrisiko, das zugleich die Gefahr gefährlicher Kettenreaktionen birgt.

Es ist richtig, dass die EZB-Bankenaufsicht zum Abbau der Kredite mahnt. Allein, die Zentralbank ist zugleich auch Teil des Problems. Denn mit ihrer ultralockeren Geldpolitik trägt sie dazu bei, dass die Risikoneigung an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft steigt. Weil es keine Zinsen auf traditionelle Geldanlagen mehr gibt, weichen Investoren auf andere Anlageformen aus, die mit deutlich höheren Risiken verbunden sind. Die jüngsten Kursstürze an den Aktienmärkten könnten Vorboten größerer Probleme sein.

Das gilt umso mehr, als die US-Regierung eine weitere Lockerung der Vorschriften für Banken plant. Das Ziel: eine „ungehemmte“ Kreditvergabe. Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Erinnerungen werden wach an die unseligen Zeiten, als selbst arbeitslose US-Bürger Kredite für den Immobilienkauf bekamen und die Finanzwelt am Ende in einem Meer fauler Kredite versank. Schon vergessen?