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06.02.2018, 18:48 Uhr KOMMENTAR

EU-Kommission lockt Westbalkanländer fahrlässig mit Beitrittsdatum

Kommentar von Thomas Ludwig

Die Westbalkanregion mit ihren rund 18 Millionen Menschen sei ein „interessanter potenzieller Markt“, sagt die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Foto: O. Hoslet/dpaDie Westbalkanregion mit ihren rund 18 Millionen Menschen sei ein „interessanter potenzieller Markt“, sagt die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Foto: O. Hoslet/dpa

Osnabrück. Die EU fürchtet eine zunehmende Einflussnahme Russlands auf dem Balkan und will die Länder möglichst schnell in die EU holen. Das Risiko, sich neue Probleme ins europäische Haus zu holen, ist nicht zu unterschätzen.

Bei der geplanten Erweiterung der EU um die Länder auf dem Westbalkan ist die Union in einem Dilemma. Einerseits gibt es gute Gründe, die gegen eine Expansion sprechen. Schon heute ist die EU von einer so großen Heterogenität der Interessen, dass ein effektives Gemeinschaftshandeln immer schwieriger, wenn nicht unmöglich wird. Davon zeugt die Zerstrittenheit bei der Verteilung von Flüchtlingen ebenso wie die bedrohte Rechtsstaatlichkeit in Ungarn oder Polen. Neumitglieder drohen die EU an den Rand der Belastbarkeit zu bringen - und darüber hinaus.

Russland und auch China suchen Einfluss

Andererseits ermuntert eine ernsthafte Beitrittsperspektive die Staaten zu Reformen und zur Beilegung nachbarschaftlicher Konflikte. Dies begünstigt die ökonomische Entwicklung und schafft Stabilität in der Region vor der EU-Haustür. Zudem hält es sie davon ab, sich Russland oder China zuzuwenden, die versuchen, auf dem Balkan an Einfluss zu gewinnen.

Der Ausweg aus dem Dilemma? Nichts überstürzen. Beitrittsautomatismen zu festgelegten Zeitpunkten sind tabu. Deshalb ist es fahrlässig von der EU-Kommission, Erwartungen für 2025 zu wecken. Entscheidend ist die Beitrittsreife eines Landes. Mit Griechenland hat man einst ein Land in die Eurozone aufgenommen, das ungeeignet war. Wohin das geführt hat, ist bekannt. Das sollte allen in der EU eine Lehre sein.

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