Ein Bild von Marion Trimborn
06.02.2018, 18:41 Uhr WIKILEAKS-GRÜNDER

Warum Julian Assange ein tragischer Held ist

Kommentar von Marion Trimborn

Julian Assange sitzt weiter fest. Foto: AFPJulian Assange sitzt weiter fest. Foto: AFP

Osnabrück. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, sitzt weiter fest. Nach über fünf Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London hatte er auf Freiheit in Großbritannien gehofft - vergebens. Er hat weiter keine Aussicht auf die Rückkehr zu einem normalen Leben. Das ist ein Skandal. Ein Kommentar

Es liegt eine Tragik über dem Leben von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Gleichgültig was er macht: Der Whistleblower hat keine Aussicht mehr auf eine Rückkehr in ein normales Leben. Schuld daran sind die USA, deren Geheimdienste Assange mit ihrer Rache weltweit verfolgen. Der Geheimnis-Enthüller ist seiner Freiheit beraubt, obwohl er gar nicht im Gefängnis sitzt. Dieses Schicksal teilt Assange mit Edward Snowden, der im Moskauer Exil lebt und die Überwachungspraktiken des Geheimdienstes NSA enthüllt hat. Beiden Männern droht in den USA ein Prozess wegen Hochverrats bis hin zu lebenslanger Haft, manche sprechen gar von der Todesstrafe.

Auch wenn Assange und Snowden Gesetze verletzt und sich angreifbar gemacht haben, so haben sie doch der Welt große Verdienste geleistet. Mit Wikileaks hat Assange eine unerschöpfliche Fundgrube geschaffen, die Beweise für die schmutzige Kriegsführung der USA in Afghanistan und im Irak bewies und etwa auch die Geschäfte von Steueroasen ans Licht brachte. Was folgte, waren Vergewaltigungsvorwürfe zweier schwedischer Frauen, die möglicherweise bloßer Rufmord waren, denn die Ermittlungen sind inzwischen eingestellt. Seit fünfeinhalb Jahren lebt Assange nun schon auf der Flucht und sitzt in der Londoner Botschaft von Ecuador fest. Es ist ein Skandal, dass diese modernen Helden keine Möglichkeit auf ein normales Leben haben. Kein Land fühlt sich verantwortlich. Ecuador möchte Assange los werden - zu hoch sind die Kosten, zu stark der innenpolitische Streit. Doch auch Assange hat ein Recht auf Leben – es ist die Aufgabe der Staaten, dafür zu sorgen.