Welttag gegen folgenschweren Brauch Fünf Fakten zur weiblichen Genitalverstümmelung

Messer und Klingen sind in Muranga, Kenia, für die Beschneidung von Mädchen auf einem Schemel arrangiert. In der EU ist die weibliche Verstümmelung strafbar. Vor allem in Afrika wird der Brauch heute noch praktiziert. Foto: imago/Friedrich StarkMesser und Klingen sind in Muranga, Kenia, für die Beschneidung von Mädchen auf einem Schemel arrangiert. In der EU ist die weibliche Verstümmelung strafbar. Vor allem in Afrika wird der Brauch heute noch praktiziert. Foto: imago/Friedrich Stark

epd/KNA/lod Hannover/Osnabrück. Am 6. Februar ist der Welttag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Fünf Fakten zu dem folgenschweren Brauch und was die Politik dagegen tun will.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung und die Europäische Union haben zum verstärkten Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung aufgerufen. Es werde höchste Zeit, diese gravierende Menschenrechtsverletzung zu beenden und Mädchen und Frauen vor unfassbarem Leid zu bewahren, sagte Stiftungs-Geschäftsführerin Renate Bähr am Montag in Hannover.

Zwar sei die Verbreitung von Genitalverstümmelung seit dem Jahr 2000 weltweit um fast ein Viertel zurückgegangen, erläuterte Bähr. „Doch aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in besonders betroffenen Ländern könnten diese Fortschritte zunichtegemacht werden.“ Entscheidend sei es, Mädchen und Frauen gleiche Rechte einzuräumen wie Jungen und Männern, sagte die Geschäftsführerin in Hannover.

1. Eine Genitalverstümmelung kann tödlich enden.

Bei der Genitalverstümmelung wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt – meist ohne Narkose und mit einfachen Hilfsmitteln wie Glasscherben oder Rasierklingen. Die betroffenen Frauen und Mädchen leiden häufig lebenslang unter den Folgen – körperlich etwa wegen Infektionen, Blutungen und Komplikationen bei der Geburt. Viele sterben daran. Aber die Beschneidung habe auch seelische Folgen, mahnte die Bundesärztekammer. Betroffene Frauen bräuchten daher eine besondere medizinische und psychotherapeutische Betreuung.

2. Mehrere Millionen Mädchen sind betroffen.

Rund 200 Millionen Mädchen und junge Frauen sind nach Angaben der Stiftung Weltbevölkerung von der Praxis betroffen. Der Eingriff sei in rund 30 Ländern verbreitet, vor allem in Afrika, dem Nahen Osten und Asien.

3. Die Mädchen sind bei dem Übergriff meist nicht einmal 15 Jahre alt.

Die Beschneidung soll das Ende der Kindheit markieren, deshalb wird sie meist zur Geschlechtsreife ausgeführt. Oft wird ein Mädchen nach der Verstümmelung verheiratet. Weil ihr die Klitoris entfernt wurde, könne sie Geschlechtsverkehr nicht genießen und gehe daher nicht fremd, so eine Idee hinter dem Brauch. Teilweise wird die Praxis auch mit mythologischen oder traditionellen Gründe gerechtfertigt.

4. Die Verstümmelung schadet den Gesellschaften, in denen der Brauch ausgeübt wird.

Laut EU-Kommission haben die Verstümmelungen auch negative Folgen für die Gesellschaften insgesamt. Denn die Folgen der körperlichen Gewalt führten dazu, dass die betroffenen Frauen weniger konstruktiv am öffentlichen Leben teilnehmen könnten als Männer.

5. In Deutschland leben immer mehr Betroffene.

In Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa 50.000 Betroffene, die meist einen Migrationshintergrund haben. Damit habe sich die Zahl in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht. Da die weibliche Genitalverstümmelung in allen EU-Staaten verboten ist, werden viele Frauen bei Besuchen in ihren Herkunftsländern beschnitten. Die Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“, Christa Stolle, plädierte daher für verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen für alle Mädchen.

Bei den sogenannten U-Untersuchungen müssten die Genitalien miteingeschlossen werden. „Nur so können wir sicherstellen, dass Mädchen unversehrt in Deutschland aufwachsen, und bereits Betroffene medizinisch und psychologisch betreut werden“, sagte Stolle.

Was tut die Politik gegen die Genitalverstümmelung?

Um dem Phänomen zu begegnen, sei Präventionsarbeit an der Basis nötig, erklärte die EU-Kommission. Daher unterstütze die EU sozialen Wandel in den Gemeinschaften vor Ort. Ein Fokus der Engagements sind die Länder Afrikas südlich der Sahara, wo die EU im Rahmen der sogenannten Spotlight-Initiative gemeinsam mit den Vereinten Nationen gegen weibliche Genitalverstümmelung vorgeht.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kündigte zudem am Montag in Berlin an, sein Ministerium werde zwei Millionen Euro in ein Gesundheitsprogramm in Guinea investieren, um Frauen und Mädchen vor der Genitalbeschneidung zu schützen. In dem westafrikanischen Land sind laut UN-Angaben 90 Prozent der erwachsenen Frauen beschnitten.