#TwitternwieRueddel Wie ein CDU-Politiker Pflegekräfte in ganz Deutschland wütend macht

Von dpa

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Erwin Rüddel hat auf Twitter Pflegekräfte in ganz Deutschland mit einer Aussage provoziert. Das Bild zeigt den Bundestagsabgeordneten und Gesundheitsexperten der CDU beim Politischen Aschermittwoch des CDU Kreisverbands in Neuwied 2016. Foto: imago/Sascha DitscherErwin Rüddel hat auf Twitter Pflegekräfte in ganz Deutschland mit einer Aussage provoziert. Das Bild zeigt den Bundestagsabgeordneten und Gesundheitsexperten der CDU beim Politischen Aschermittwoch des CDU Kreisverbands in Neuwied 2016. Foto: imago/Sascha Ditscher

Berlin. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel gibt Pflegern eine Mitschuld an den schlechten Arbeitsbedingungen. Sie sollten besser positiv über ihren Job reden.

Es ist bitterer Sarkasmus, der sich aktuell zum Thema Pflege auf Twitter breitmacht. Spätestens seit Pflege-Azubi Alexander Jorde in der Wahlarena Kanzlerin Angela Merkel selbstbewusst auf die Missstände in seinem Beruf aufmerksam machte, schien das Thema in der Politik angekommen zu sein. Zu wenig Personal für zu viele Patienten, schlechte Arbeitsbedingungen, die Pflegekräfte an die Belastungsgrenze bringen, Fachkräftemangel und für all das wenig Anerkennung. Die Probleme drängen, aber Lösungen sind nicht in Sicht. Jetzt entlädt sich der Frust auf Twitter als Reaktion auf einen Kommentar von CDU-Politiker Erwin Rüddel.

Der Bundestagsabgeordnete und Gesundheitsexperte der Christdemokraten gab via Kurzmitteilung den Pflegekräften indirekt eine Mitschuld an der Misere. Auf Twitter schreibt er: „#Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege.“

Zuvor hatte Rüddel die bisherigen Verhandlungsergebnisse der Großen Koalition als Erfolg für die Pflege gerühmt. Diese würden mehr Personal und eine bessere Bezahlung beinhalten. Ein Twitter-Nutzer – laut Profil Pflegedirektor – kritisierte daraufhin, dass es für jede Maßnahme bereits zu spät sei: „Es gibt keine #Pflegekräfte die das System retten können“, schreibt Rainer Jakobi mit Bezug auf die schlechten Arbeitsbedingungen und den Fachkräftemangel in der Branche.

Rüddels daraufhin vorgeschlagener „Deal“ sorgte für Entrüstung. Unter den Hashtag #twitternwierueddel berichten Pflegekräfte mit viel Ironie über ihren Berufsalltag und zeigen, wie es ihrer Erfahrung nach wirklich läuft. Ihre Berichte sind weit von „gute Zeiten für gute Pflege“ entfernt:












Der Hashtag bringt das Thema Pflegenotstand erneut ins öffentliche Bewusstsein. Viele Nutzer zeigen sich entsetzt von den Zuständen, die sich hier offenbaren.


Rüddel äußerte sich wenige Stunden nach seinem umstrittenen Tweet zu dem Aufruhr: „Mein Tweet sollte keine Anschuldigung gegenüber den Pflegekräften sein. Wer meine politische Arbeit kennt, weiß wie viel Respekt ich vor der großartigen Arbeit habe, die Pfleger jeden Tag leisten.“


Wer ist Erwin Rüddel?

  • Geboren am 21. Dezember 1955 in Bonn; Römisch-Katholisch; verheiratet; zwei Kinder.
  • Nach einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium mit Abschluss Diplom-Betriebswirt erst Angestellter im Verlagswesen, dann von 1993 bis 2009 Geschäftsführer der Senioren-Residenz Bad Arolsen GmbH.
  • Januar bis Mai 1987 und 1998 bis 2009 Mitglied des Landtags Rheinland-Pfalz; 2006 bis 2009 Vorsitzender des Arbeitskreises „Medien und Multimedia“ der CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz, seit 2012 Beauftragter für Sportfragen der CDU Rheinland-Pfalz.
  • Seit Oktober 2009 Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz.
  • Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Quelle: bundestag.de

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