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05.02.2018, 17:23 Uhr KOMMENTAR

Debatte über Rückführung syrischer Flüchtlinge ist verfrüht

Kommentar von Thomas Ludwig

Zivilschutzmitarbeiter suchen nach einem Luftangriff in einem von Rebellen kontrollierten Vorort von Damaskus nach Verletzten. Foto: Uncredited/Syrian Civil Defense White Helmets/dpaZivilschutzmitarbeiter suchen nach einem Luftangriff in einem von Rebellen kontrollierten Vorort von Damaskus nach Verletzten. Foto: Uncredited/Syrian Civil Defense White Helmets/dpa

Osnabrück. Das syrische Regime hat möglicherweise erneut Giftgas für einen Angriff auf Rebellen verwendet - und auch Zivilisten getroffen. Ein Grund mehr, von einer baldigen Rückführung syrischer Flüchtlinge in die Heimat abzusehen.

An eine Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat auch nur zu denken, verbietet sich zum jetzigen Zeitpunkt. Zu prekär ist die Lage im Land, von Frieden und Sicherheit keine Spur. Zwar sind die Meuchler des Islamischen Staates weitgehend aus Syrien vertrieben. Dass sich der Krieg damit aber einem Ende nähern könnte, ist eine verfrühte Hoffnung, getrieben von reinem Wunschdenken. Die Fakten sprechen eine andere Sprache.

Neue Unsicherheiten

Meldungen, wonach das Assad-Regime in der Provinz Idlib wieder Giftgas eingesetzt haben soll, illustrieren die verfahrene Situation. Türkische Militärschläge gegen die Kurden im Norden haben neue Unsicherheiten gebracht. Und jede militärische Aktion treibt weitere Menschen, Zuflucht bei den Nachbarn und in Europa zu suchen. Wer das unterbinden und zudem Flüchtlinge nicht dauerhaft aufnehmen will, sollte sich Gedanken über die Befriedung und eine effektive Aufbauhilfe im Anschluss machen.

Nach sieben Jahren Krieg und Hunderttausenden Toten liegt Syriens Infrastruktur, liegen Kliniken und Schulen in Schutt und Asche. Verminte Landstriche sind ein unkalkulierbares Risiko für die Bevölkerung. Auf Jahre wird das Land ein Unruheherd in der Region bleiben, aufgerieben vor allem zwischen iranischen, russischen und türkischen Interessen.

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