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04.02.2018, 16:12 Uhr KOMMENTAR

Deutschland in der Dauerfeierschleife

Von Thomas Ludwig


Vorbildlich: Darth Vader auf dem Klo. So soll es sein im Kölner Straßenkarneval. Ist es meist aber nicht. Foto: Rolf Vennenbernd/dpaVorbildlich: Darth Vader auf dem Klo. So soll es sein im Kölner Straßenkarneval. Ist es meist aber nicht. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Osnabrück. Saufen gleich feiern? Kurz vor den tollen Tagen löst Kölns OB eine Debatte über den Karneval aus. Dabei geht es um mehr als nur um das Treiben der Jecken. Übertreiben es die Deutschen mit dem Feiern?

Die traut sich was. Ausgerechnet Kölns Oberbürgermeisterin stempelt den Karneval als etwas ab, „das eher einem allgemeinen Besäufnis entspricht“ und nichts mehr mit Kulturpflege zu tun habe. Dabei macht sie einen Punkt. Und es geht um mehr, als das Treiben der Jecken.

Denn das Phänomen ist nicht auf Karnevalshochburgen und -zeiten beschränkt. Ganz Deutschland befindet sich in einer Dauerfeierschleife. Karneval und das längst auch im Norden gefeierte Münchner Oktoberfest sind nur Etappen. Sind die Bürger nicht gerade im Kaufrausch, frönen sie dem Partyrausch. Das Maß aller Dinge: Hauptsache Spaß.

Rechte und Pflichten

Einen Handwerksberuf erlernen, bei dem man früh aufstehen muss? Will keiner mehr. Verantwortung bei der Landesverteidigung übernehmen? Die Bundeswehr sucht händeringend Leute. Ein jeder klagt Rechte ein. Doch Pflichten haben stets nur die anderen.

Die durchökonomisierte Gesellschaft stellt höchste Ansprüche. Die Bürger bewegen sich im Korsett von ständiger Verfügbarkeit, andauernder Selbstoptimierung und der Pflicht als Konsument, das Wachstum anzutreiben, ohne das das System nicht funktioniert. Das schlaucht. Im Rausch nehmen sich die Menschen die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen. Die Gefahr: Gemeinsinn droht sich in Feierlaune zu erschöpfen. Für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist das zu wenig.

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