Mitarbeiter fehlen Niedersachsen vor Pflegemisere

Foto: dpaFoto: dpa

dpa/AFP Hannover/Berlin. Nicht nur die Qualität der Pflege lässt immer wieder zu wünschen übrig – aktuelle Zahlen belegen, dass in Niedersachsen künftig Tausende Pflegekräfte fehlen könnten. Gleichzeitig ist ein Großteil der Widersprüche gegen die Einstufung bei Pflegegraden erfolgreich.

In Niedersachsen fehlen in der Altenpflege bis 2030 zwischen 21000 und 52000 Mitarbeiter. Diese Anzahl an Stellen müsste in den kommenden Jahren neu besetzt werden, wie eine Prognose des Sozialministeriums ergab, die sich auf den Landespflegebericht 2015 stützt.

Rund 112000 Menschen arbeiteten im Jahr 2013 und damit laut den aktuellsten erhobenen Daten in Niedersachsen in Pflegeberufen. Demgegenüber standen 288000 pflegebedürftige Menschen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird laut Prognosen jedoch stark ansteigen. 2030 dürften es landesweit knapp 379000 sein – ein Plus von gut 30 Prozent.

Außerdem sind schon jetzt bundesweit laut Deutscher Krankenhausgesellschaft 10000 bis 15000 Pflegestellen in Kliniken nicht besetzt.

Gleichzeitig ist ein Großteil der Widersprüche gegen die Einstufung bei den Pflegegraden erfolgreich. Im vergangenen Jahr bekamen Pflegebedürftige in jedem zweiten Fall recht, wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf den Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) berichtete.

In 28,7 Prozent der Fälle bestätigten die Gutachter demnach den Widerspruch und empfahlen einen anderen Pflegegrad. Weitere knapp 24 Prozent erhielten eine neue Pflegegrad-Empfehlung, weil sich der Hilfebedarf des Pflegebedürftigen zwischenzeitlich verändert hatte. Der MDS koordiniert die Arbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK), die für die Prüfung der Pflegebedürftigkeit bei gesetzlich Versicherten zuständig sind. 2017 gab es insgesamt rund 1,61 Millionen Begutachtungsverfahren. Der Anteil der Widersprüche lag demnach bei rund 6,8 Prozent. Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach (CDU), kritisierte eine mangelnde Transparenz. „Für viele Patienten und Pflegebedürftigen sind die Entscheidungen der Kranken- und Pflegekassen nicht transparent genug, sie werden oft sogar manchmal als willkürlich wahrgenommen“, sagte Fischbach der „WamS“. Im Zuge der Pflegereform waren die bis dahin drei Pflegestufen Anfang 2017 durch fünf Pflegegrade ersetzt worden.Seite 7