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02.02.2018, 17:17 Uhr KOMMENTAR ZUR GROKO-EINIGUNG BEIM WOLF

Streitthema Wolf: Das Raubtier als Symbol der Entfremdung

Kommentar von Dirk Fisser

Wölfe in einem Wildparkgehege in Bayern. Foto: dpaWölfe in einem Wildparkgehege in Bayern. Foto: dpa

Osnabrück. Einigung in Sachen Wolf bei den Verhandlungen um eine Große Koalition in Berlin. Dazu ein Kommentar.

Fast zwei Jahrzehnte nach der Rückkehr des Wolfes und Hunderte gerissene Nutztiere später verständigen sich die Groko-Unterhändler darauf, dass Bund und Länder einen Maßnahmenkatalog abstimmen sollen zum Umgang mit dem Raubtier. Und das Ganze – wohlgemerkt – kurzfristig. Die Wolfs-Passagen aus dem Koalitionsvertrag verstärken den Eindruck, dass am Ende der Verhandlungen ein Papier steht, das Deutschland nicht voranbringen wird. Nicht einmal beim Wolf.

Jahre des föderalen Herumstümperns liegen hinter Deutschland. In vielen Regionen wurde erst reagiert, wenn die Raubtiere da und Nutztiere tot waren. Visionen zur Naturschutzpolitik endeten oft an Ländergrenzen. Es gilt: Der Wolf wird sich weiter ausbreiten. Das heißt: Nutztiere müssen geschützt, Tierhalter entschädigt und verhaltensauffällige Wölfe erschossen werden. Eigentlich ganz einfach, wäre die Debatte nicht derart entsachlicht. Auf der einen Seite die Landbevölkerung, die nicht nur um Nutztiere, sondern auch um ihre Kinder bangt. Auf der anderen die Städter, die den Wolf romantisieren – leicht gemacht: auf Spielplätzen in Prenzlauer Berg wurde auch noch kein Wolf gesichtet. Insofern ist der Wolf mittlerweile vor allem eins: Sinnbild für die Entfremdung von Stadt und Land.


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