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02.02.2018, 17:05 Uhr KOMMENTAR

Groko-Finale: Silben zu ändern wird die SPD nicht retten

Kommentar von Burkhard Ewert

Will sich ins Kabinett retten: Der ehemalige SPD-Spitzenkandidat und gegenwärtige Vorsitzende Martin Schulz. Foto: dpaWill sich ins Kabinett retten: Der ehemalige SPD-Spitzenkandidat und gegenwärtige Vorsitzende Martin Schulz. Foto: dpa

Osnabrück. Der SPD fehlt die Führung. Ihr fehlt die Relevanz. Silben in den Sondierungspapieren zu ändern wird sie nicht retten. Ein Kommentar.

Die Wahrheit lautet: Man weiß es nicht. Ob eine Große Koalition Deutschland erneut regiert, ist völlig offen. Als einigermaßen wahrscheinlich kann hingegen gelten, dass die Union der SPD inhaltlich nicht mehr über die Maßen entgegenkommt. Zum einen hat der kleinere Partner viel herausgeholt. Gefühlt gehen die bisherigen Einigungen wie aktuell bei der Bildung Richtung 50:50. Zudem murrt die CDU leiser über Angela Merkel als die SPD über Martin Schulz – aber sie murrt durchaus. Die Kanzlerin hat keinen unbegrenzten Spielraum, sofern sie die Kontrolle über ihre Nachfolge behalten will.

Weil die SPD-Basis ohne weitere Zugeständnisse nicht zustimmen dürfte, wären zusätzliche Ämter ein Anreiz. Neben dem Außenressort könnten diesmal Inneres oder Finanzen an die Partei fallen, deren Kanzlerkandidat seinen Zug aufs Abstellgleis lenkte. Dann hätten die Spitzengenossen auch wieder ein bisschen Verfügungsmasse, um sich untereinander zu sortieren, will Schlängel-Schulz doch inzwischen partout ins Kabinett einziehen. Sollte er Sigmar Gabriel tatsächlich verdrängen, würde der Vorsitzende noch unbeliebter werden – sofern es ihm gelänge und das überhaupt noch geht.

Die sinkende Zustimmung zur SPD steht eng mit Schulz in Verbindung. Der Partei fehlt die Führung. Ihr fehlt die Relevanz. Ihr fehlt die Vision. Regisseure wie Thomas Oppermann sind entmachtet, Flügel rivalisieren, frustrierte Alphapolitiker klammern sich an ihre Bedeutung. Silben in den Sondierungspapieren zu ändern wird sie nicht retten.

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