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02.02.2018, 15:26 Uhr KOMMENTAR

USA suchen Verbündete gegen Regime in Venezuela: Tillersons Strategie

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Die USA nennen ihn Diktator: Venezuelas Präsident Nicolas Maduro. Der umstrittene Chavez-Nachfolger will sich im April wiederwählen lassen. Seit Monaten tobt in dem südamerikanischen Land eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Foto: AFPDie USA nennen ihn Diktator: Venezuelas Präsident Nicolas Maduro. Der umstrittene Chavez-Nachfolger will sich im April wiederwählen lassen. Seit Monaten tobt in dem südamerikanischen Land eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Foto: AFP

Osnabrück. US-Außenminster Rex Tillerson sucht bei seiner Lateinamerika-Reise politische Verbündete gegen das sozialistische Regime in Venezuela. Denn weder Drohungen noch Sanktionen fruchten bisher. Kein Wunder, denn ein Öl-Embargo wagen die USA nicht, und das mit gutem Grund.

Die Lateinamerika-Reise von US-Außenminister Rex Tillerson dient vor allem einem Zweck: ein Bündnis gegen die sozialistische Regierung in Venezuela zu schmieden. Denn bisher zeigt sich Präsident Nicolas Maduro weder von Drohungen, man erwäge zur Not auch einen Militärschlag, noch von Sanktionen beeindruckt. Im Gegenteil: Siegessicher hat Maduro seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit angekündigt. Weil viele Regierungsgegner in Haft sind und die Reste der Opposition schwach und zerstritten, ist die Wiederwahl nicht einmal abwegig.

Derweil geht es der Bevölkerung immer schlechter. Das Land, eines der ölreichsten der Welt, steht vor der Pleite, Versorgungsengpässe lassen die Sterblichkeit steigen, Gewalt ist allgegenwärtig.

Dass die US-Sanktionen nicht fruchten, ist kein Wunder: Sie sind halbherzig. Bisher wurden nur Einzelpersonen, etwa hohe Militärs, mit Handelsverboten belegt. Wirksamer wäre ein Öl-Embargo. Allerdings liefert Venezuela große Mengen seines Schweröls an US-Raffinerien, die das aufbereitete Öl anschließend zurückverkaufen. Diesen Fluss zu unterbrechen, würde Caracas treffen –aber auch die USA. Als ehemaliger Exxon-Manager weiß Tillerson das – und sucht jetzt Verbündete, um auf anderem Weg den Druck zu erhöhen.

Nun ist insbesondere Mexiko, Tillersons erste Station, auf die USA nicht gut zu sprechen. Doch Tillerson hat ein As im Ärmel: das Freihandelsabkommen Nafta, das gerade neu verhandelt wird. Lukrative Handelserleichterungen könnten Mexiko milde stimmen - und Tillersons Plan aufgehen lassen.


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