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01.02.2018, 18:21 Uhr BUNDESTAG BESCHLIEßT KOMPROMISS

Familiennachzug: Probe bestanden

Kommentar von Manuel Glasfort

SPD-Chef Martin Schulz und sein Vorgänger Sigmar Gabriel unterhalten sich während der Plenarsitzung im Bundestag. Foto: dpaSPD-Chef Martin Schulz und sein Vorgänger Sigmar Gabriel unterhalten sich während der Plenarsitzung im Bundestag. Foto: dpa

Osnabrück. Nach ewigem Tauziehen haben SPD und Union ihren Kompromiss zum Familiennachzug durch den Bundestag gebracht. Die Probe für die Neuauflage der Groko ist damit bestanden. Nach Lage der Dinge hat die Union sich beim Familiennachzug weitgehend durchgesetzt – und eigentlich müsste man die SPD dazu beglückwünschen.

Es ist schon merkwürdig, mit welcher Vehemenz die Sozialdemokraten für eine Rückkehr zu möglichst unbegrenztem Familiennachzug kämpften. Die Partei punktet damit vielleicht bei manchen Akademikern – die dann am Ende eher die Grünen wählen. Ganz anders sieht es aber bei jenen Wählern aus, die zu vertreten die SPD einmal angetreten war: die sogenannten kleinen Leute. Das Laissez-faire bei der Zuwanderung entfremdet sie von der SPD. Und zwar nicht weil diese Wähler rassistisch wären, sondern weil sie die Lasten dieser Politik schultern: die zusätzliche Konkurrenz auf dem Job- und Wohnungsmarkt, den Wandel von Stadtvierteln, spüren in erster Linie sie.

Solidarität sollte nicht an Staatsgrenzen enden. Doch Sozialstaat und offene Grenzen schließen einander aus, zumindest auf Dauer. Die SPD wäre mit mehr Augenmaß bei der Zuwanderungspolitik gut beraten.


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