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01.02.2018, 12:04 Uhr KOMMENTAR

Polens Holocaust-Gesetz: Genauer hinsehen

Kommentar von Burkhard Ewert

Es waren deutsche Lager: Die Gaskammer des wenig bekannten KZ Stutthof am Frischen Haff in Westpreußen. Foto: Burkhard EwertEs waren deutsche Lager: Die Gaskammer des wenig bekannten KZ Stutthof am Frischen Haff in Westpreußen. Foto: Burkhard Ewert

Osnabrück. Nein, nicht alles, was die nationalkonservative polnische Regierung beschließt, ist automatisch vom Teufel. Kritiker sollten das Holocaust-Gesetz differenziert bewerten. So falsch ist es nicht.

Polnische Konzentrationslager hat es in der Tat nicht gegeben, sondern von Deutschen errichtete Konzentrationslager auf polnischem Boden. Dies kann man für einen kleinen Unterschied halten oder einwenden, dass doch jeder wisse, was wirklich gemeint sei. Doch was spricht dagegen, sich korrekt auszudrücken, wenn eine Ungenauigkeit das Gegenüber offenkundig verletzt?

Wer sich ein bisschen auskennt, spricht auch nicht von Deutschland, wenn er Preußen meint, nicht von Arabern, wenn es um Perser geht. Solche Präzision darf verlangt werden, gerade wenn sich jemand berufen sieht, einen sensiblen Sachverhalt nicht nur zu beschreiben, sondern zu kritisieren. Genauigkeit spricht hier nicht nur für Kompetenz. Sie spiegelt Respekt wider, zumal falls eine andere sprachliche Wendung wie im Falle der Lager die Tatsachen trotz gelegentlicher Kollaboration geradezu auf den Kopf stellt.

Eine andere Frage ist, ob Sprachverbote in Gesetzesform gegossen und Zuwiderhandlungen mit Strafe bewehrt werden sollten. Auch wenn die Polen Wissenschaft und Kunst ausnehmen, schießen sie hier alleine wegen des beträchtlichen Interpretationsspielraums über das Ziel hinaus. Mit dem Gesetz und der dadurch initiierten Diskussion haben sie einem berechtigten Anliegen Aufmerksamkeit verschafft. Sie hätten es dabei belassen sollen.

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