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31.01.2018, 11:58 Uhr KOMMENTAR

Trump zur Lage der Nation: Gut abgelesen, Mr. President

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Als Versöhner trat US-Präsident Donald Trump bei seiner ersten Rede „Zur Lage der Nation“ auf. Ob er diesen Kurs beibehalten wird? Foto: dpaAls Versöhner trat US-Präsident Donald Trump bei seiner ersten Rede „Zur Lage der Nation“ auf. Ob er diesen Kurs beibehalten wird? Foto: dpa

Osnabrück. Mit Spannung wurde sie erwartet, die erste Rede zur Lage der Nation von US-Präsident Donald Trump. Und ausnahmsweise trat der streitbare mächtigste Amerikaner nicht verbal um sich, sondern schlug versöhnliche Töne an. Doch der Burgfrieden wird wohl nicht halten.

Meist sind vom Teleprompter abgelesene Reden ein Graus, doch bei Donald Trumps Rede zur Lage der US-Nation war die Ablesehilfe ein Segen: Ohne Verbalausfälle konnte der Präsident, dessen Beliebtheitswerte im Keller sind, seine Botschaft von einem geeinten Amerika auf den Weg bringen. Und wurde nicht müde, seine Erfolge zu loben: die Wirtschaftslage, das Infragestellen des Atomabkommens mit dem Iran, die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, die Steuerreform. Seinen Republikanern warf er noch einen Happen hin: Guantanamo, das Gefangenenlager auf Kuba, das Vorgänger Barack Obama vergeblich hatte schließen wollen, bleibt offen. Trump, der Anti-Terror-Kämpfer, der Schützer der USA, deren innere Zerrissenheit allein er heilen kann. Auch das noch. Applaus gab es dennoch, wenn auch nicht von den Demokraten.

Zwischen den Zeilen beleidigte Trump dann doch noch einige, etwa die schwarze Gemeinschaft, der er indirekt fehlenden Nationalstolz vorwarf. Die Dreamer, also die Nachkommen illegaler Einwanderer, um deren Bleiberecht es seit Wochen Streit gibt, brachte er indirekt mit Kriminellen in Verbindung. Das erinnerte an Trumps frühere Ausfälle gegenüber Muslimen, Homosexuellen oder Frauen. Interessant auch, dass der Präsident die zweifelhaften Kreml-Kontakte während seines Wahlkampfs erst gar nicht erwähnte. Manchmal sagt das, was nicht zur Sprache kommt, trotzdem viel aus.

Am Ende war es für Trumps Verhältnisse dennoch eine gute, teils gar staatsmännische Rede. Ob er das Niveau halten kann, ist fraglich. Denn die nächste Twitter-Orgie kommt bestimmt. Und dann gibt es keinen Teleprompter.

Weiterlesen: Versöhnliche und pathetische Sätze– Auszüge aus Trumps Rede zur Lage der Nation


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