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16.01.2018, 17:46 Uhr KOMMENTAR

EU schlägt mit Anti-Plastik-Strategie den richtigen Weg ein

Kommentar von Thomas Ludwig

Gar nicht schön, Plastikmüll am Ostseestrand: Die EU-Kommission will künftig höhere Recyclingquoten. Foto: S. Sauer/dpaGar nicht schön, Plastikmüll am Ostseestrand: Die EU-Kommission will künftig höhere Recyclingquoten. Foto: S. Sauer/dpa

Osnabrück. „Wenn wir nicht ändern, wie wir Plastik produzieren und nutzen, wird es 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Ozeanen geben“, warnt EU-Kommissionsvize Frans Timmermans. Recht hat der Mann.

Der Slogan „Jute statt Plastik“ dürfte so Manchem samt kratzigem Beutel noch in lebhafter Erinnerung sein. Aus dem Vokabular politisierter Jugendlicher und Dritte-Welt-bewegter Christen war er in den 80er-Jahren nicht wegzudenken. Jute als Statement und Aufforderung – ein Stoff, aus dem die Träume waren. Dennoch, trotz aller Konsumkritik verstärkte sich die Lust an der Wegwerfgesellschaft in den nachfolgenden Jahrzehnten. Allein der private Verbrauch von Plastiktüten und -folien hat sich seit Anfang der 90-er Jahre bis heute verdoppelt.

Unsere auf Wachstum fixierte Gesellschaft konsumiert ungeniert nach dem Motto: Nach uns die Sintflut. Tatsächlich ist die längst da – in Form von Plastikmüll, der Meere und Müllkippen überschwemmt. Das Problem ist so drängend, dass der politische Eingriff Brüssels nicht nur begrüßenswert sondern auch gerechtfertigt ist. Wann, wenn nicht jetzt? Plastikmüll gefährdet zunehmend die Grundlagen unserer Existenz – zum Beispiel durch Mikropartikel im Nahrungskreislauf.

Richtige Anreize setzen

Richtig gesetzte Anreize können Handel und Industrie helfen, Müll zu vermeiden und die Entwicklung alternativer und nachhaltiger Verpackungen voranzutreiben. Die EU hat dazu mit ihrer nun vorgelegten Strategie einen guten Weg eingeschlagen. Schon seit 2016 verpflichtet eine EU-Richtlinie die Staaten zu weniger Plastiktüten – mit Erfolg. Wo Selbstverpflichtung lahmt, muss die Politik eben nachhelfen.

Am Ende aber hat es der Verbraucher selbst in der Hand. Also: Im Laden lieber an der Wursttheke bestellen, anstatt zur eingeschweißten Salami zu greifen. Die von Plastik umhüllte Paprika bleibt besser im Regal, ebenso wie die Tomaten im Plastikschälchen. Und merke: Auch ein Frischeeinkauf auf dem Bauernhof im Umland oder dem Wochenmarkt ist mehr Lust als Last.

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