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16.01.2018, 16:07 Uhr KOMMENTAR ZUM UNWORT DES JAHRES

Wenn aus „alternativen Fakten“ alternative Mehrheiten werden

Kommentar von Dirk Fisser

Das Unwort des Jahres 2017: „alternative Fakten“. Foto: dpaDas Unwort des Jahres 2017: „alternative Fakten“. Foto: dpa

Osnabrück. „Alternative Fakten“ ist das Unwort des Jahres. Dazu ein Kommentar.

Die „alternativen Fakten“ haben einen Effekt: Sie verschieben die Wahrnehmung der Realität, stellen Sachverhalte infrage und beeinflussen die Meinungsbildung. Sie sind aber keine Erfindung des 21. Jahrhunderts oder gar von US-Präsident Donald Trump. In Diktaturen wie auch in Demokratien, bei geächteten Massenmördern und geachteten Staatsmännern kamen und kommen sie immer wieder vor.

Richtig ist, dass „alternative Fakten“ zumindest in der digitalisierten Gegenwart über die Manipulationsmaschine Facebook nicht mehr nur regional, sondern weltweit verbreitet werden – und auch weltweit wirken. Und sie häufen sich auch deswegen in der jüngeren Vergangenheit, weil rund um den Globus diejenigen auf dem Vormarsch sind, die Werteordnungen und wissenschaftliche Erkenntnisse infrage stellen. Populisten aller Länder bedienen sich bevorzugt alternativer Fakten, um ihre alternative Politik durchzusetzen. So absurd, so offensichtlich falsch oder gelogen sie auch sein mögen: Diese Lügen müssen ernst genommen werden. Das lehrt das Beispiel Donald Trump: Freiheitliche Gesellschaften sind mittlerweile derart anfällig für alternative Fakten, dass diese den Weg zur Macht bereiten können. Und nicht immer geht es dabei um etwas so harmloses wie die Besucherzahl bei der Vereidigung eines US-Präsidenten.


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