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15.01.2018, 14:01 Uhr KOMMENTAR

Martin Schulz? Wer war das noch einmal?

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Ein hartes Jahr, das kaum erst begonnen hat: Martin Schulz hat die SPD in die Misere geführt. Foto: dpaEin hartes Jahr, das kaum erst begonnen hat: Martin Schulz hat die SPD in die Misere geführt. Foto: dpa

Osnabrück. Vermutlich wird Martin Schulz die Mehrheit für die Koalitionsverhandlungen mit den Unionsparteien erhalten. Helfen wird es der SPD nicht. Helfen wird vor allem Schulz der SPD nicht. Ein Kommentar.

Man kann es drehen, wie man will. Am Ende hat die Misere der SPD einen Namen. Der lautet nicht Angela Merkel. Auch Alexander Dobrindt oder Christian Lindner sind nicht schuld an der Situation der Partei. Gerhard Schröder ist mit seiner Agenda-Politik schon gar nicht zu bemühen; selbst bei seiner Abwahl erzielte er für die Sozialdemokraten noch 34,2 Prozent, die heute zu Jubelstürmen führen würden.

Der Name, um den es geht, ist Martin Schulz. Er war es, der erst Hoffnungen weckte, dann bitter enttäuschte, nach der Bundestagswahl in Basta-Manier ein Mitmachen ausschloss, um dann umzufallen. Frieden, Russland, Gesundheit – auf allen Feldern hat seine Partei mal kurz Akzente in den Fokus gerückt, ohne entschlossen daran festzuhalten. Nicht einmal in sich konnte sie Einigkeit herstellen etwa über eine Aussöhnung mit Russland oder den wirklichen Sinn einer Bürgerversicherung.

Wie will sie dann andere überzeugen? Statt also ein großes Thema zu haben und eine Vision zu präsentieren, die Nebenfelder wie den Familiennachzug nebensächlich lässt, wirbt Schulz mit vermeintlichen Verbesserungen im Detail und dem Fokussieren auf ein vermeintliches Problem der sozialen Gerechtigkeit, während es dem Land und seinen Bewohnern so gut geht wie nie.

Erkannt haben das Dilemma Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht. Entweder bleibt die deutsche Linke gespalten und klein, oder sie findet wieder zusammen. Ebenso konsequent denkt Kevin Kühnert. Der Juso-Vorsitzende empfiehlt sich in diesen Wochen als politisches Talent, von dem man noch hören wird, wenn an Schulz keiner mehr denkt. Ein bisschen ist das jetzt schon so.

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