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14.01.2018, 18:38 Uhr KOMMENTAR

Der SPD stehen noch zermürbendere Zeiten bevor

Ein Kommentar von Michael Clasen


Ein Delegierter des SPD-Landesparteitages in Sachsen-Anhalt zeigte in Wernigerode seinen Stoffbeutel mit der Aufschrift „Auch ich trage Verantwortung“ und „#NoGroKo“. Foto: dpaEin Delegierter des SPD-Landesparteitages in Sachsen-Anhalt zeigte in Wernigerode seinen Stoffbeutel mit der Aufschrift „Auch ich trage Verantwortung“ und „#NoGroKo“. Foto: dpa

Osnabrück. Wenn Mitleid eine politische Währung wäre, die SPD hätte wohl eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag. Aber im Ernst: Wie soll Martin Schulz die kriselnde Partei aus der verflixten Situation halbwegs mit Anstand herausführen?

Mehr als drei Monate nach Wahlschlappe und Schwur zur Erneuerung in der Opposition sieht sich die SPD nach dem Scheitern von Jamaika gezwungen, erneut eine Koalition mit der Union einzugehen. Zumal die Umfragen zeigen, dass die SPD im Fall von Neuwahlen auch unter die 20-Prozent-Marke fallen könnte. Die Zwangsheirat mit Angela Merkel und der Union droht die Partei jedoch innerlich zu zerreißen.

Kaum ist ein Sondierungsvertrag geschlossen, wächst in den Reihen der Genossen auch jenseits der Jusos der Widerstand. Das Nein aus Sachsen-Anhalt zu den Plänen von Schulz unterstreicht, welch fragiles Gebilde die künftige Bundesregierung sein wird, die mit einer Mehrheit von zusammen gut 54 Prozent der Stimmen eigentlich keine Große Koalition mehr ist.

Auch die Basis dürfte zähneknirschend zustimmen

Bei dem anstehenden außerordentlichen Bundesparteitag wird Schulz dennoch eine Mehrheit bekommen. Unter den Delegierten sitzen viele Bundestagsabgeordnete und Funktionäre, die wenig Interesse an Neuwahlen haben. Auch die Basis dürfte zähneknirschend zustimmen. Aber der SPD stehen noch zermürbendere Zeiten bevor.


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