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12.01.2018, 17:47 Uhr KOMMENTAR

Trump kokettiert mit klaren Worten - und pöbelt doch nur rum

Kommentar von Thomas Ludwig

Gibt sich gern vulgär und rüde: US-Präsident Donald Trump: Foto: Saul Loeb/AFPGibt sich gern vulgär und rüde: US-Präsident Donald Trump: Foto: Saul Loeb/AFP

Osnabrück. Der US-Präsident spricht gern aus, was er fühlt noch bevor er einen Gedanken daran verschwendet. Das führt außenpolitisch immer wieder zu bösem Blut.

Donald Trump trägt das Herz auf der Zunge. Der US-Präsident spricht gern aus, was er fühlt noch bevor er einen Gedanken daran verschwendet. Bisweilen kommt es deshalb zu diplomatischen Verwerfungen, wie er sie nun mit der Beschimpfung afrikanischer Staaten als „Scheißlöcher“ ausgelöst hat. Das ist so rassistisch wie aus dem Munde eines US-Präsidenten unpassend.

Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit, heißt es im Volksmund. Und eben Donald Trump, irgendwie. Er kokettiert mit einem unverstellten Blick auf die Realitäten, weil er glaubt, mit unangenehmen Wahrheiten bei den Wählern punkten zu können, bei den Menschen aus dem einfachen Volk.

Grenzüberschreitung hat System

In gewisser Weise macht Trump die US-Außenpolitik ein Stück ehrlicher. Er formuliert gänzlich ungeniert die Interessen des Landes, spricht, wie im Fall Iran, ganz unverklausuliert von nötigem Regimewechsel wenn er Regimewechsel meint und weigert sich, wie bei der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels, Tabus zu akzeptieren. Dass er auf diese Weise auf internationalem Parkett oft Porzellan zerschlägt und an Ansehen verliert, interessiert ihn dabei nicht. Sich im Ton zu vergreifen, ist Kalkül, die Grenzüberschreitung hat System - das steht nach nunmehr einjähriger Amtszeit fest. Mit Trump ist das gesellschaftliche und politische Klima national wie international rauer geworden.

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