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11.01.2018, 17:38 Uhr EUROPA

EU-Studie von Bertelsmann ist mit Vorsicht zu genießen

Ein Kommentar von Benjamin Havermann


Neben den Brexit-Anhängern gibt es immer mehr Bewegungen, die gegen die EU Stimmung machen. Symbolfoto: dpa.Neben den Brexit-Anhängern gibt es immer mehr Bewegungen, die gegen die EU Stimmung machen. Symbolfoto: dpa.

Osnabrück. Laut einer Bertelsmann-Studie will eine Mehrheit der EU-Bürger mehr europäische Integration. Mit politischen Schlussfolgerungen sollte man aber vorsichtig sein. Ein Kommentar.

Die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie lesen sich zunächst positiv. Knapp zwei Drittel der befragten EU-Bürger wünscht sich eine vertiefte europäische Integration. EU-Freunde können sich dadurch in ihren Ambitionen bestärkt fühlen. Mit politischen Schlussfolgerungen sollte man aber vorsichtig sein.

Andere Untersuchungen zeigen eine deutlich kritischere Haltung vieler Bürger gegenüber der EU auf. In einigen Ländern hat sich eine lautstarke Front gegen das „Monster Brüssel“ gebildet. EU-kritische Parteien und Strömungen verspüren in jüngster Vergangenheit verstärkt Zulauf. Und eine wirkungsvolle Gegenbewegung ist bislang noch nicht entstanden. Die zunächst sehr präsente Pro-EU-Aktion „The Pulse of Europe“ ist weit davon entfernt, Massen zu mobilisieren.

Außerdem wurden für die Studie nur die 14- bis 65-Jährigen befragt. Andere Erhebungen zeigten aber, dass gerade viele Ältere der EU skeptisch gegenüber stehen.

Politiker sollten deshalb die jetzigen Strukturen und Instrumente nutzen, um die Probleme zu lösen. Die Verteilung von Flüchtlingen, eine bessere Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror oder einheitliche Steuergesetze warten weiter auf eine Lösung. Bevor nun eine neue Vertiefungsdiskussion angestoßen wird, sollten erst einmal die bestehenden Baustellen bearbeitet werden.


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