Europa Studie: Bürger angesichts von Globalisierung für mehr EU-Integration

Von dpa

Laut einer Bertelsmann-Studie spricht sich eine Mehrheit der EU-Bürger für eine Vertiefung der EU aus. Symbolfoto: Olivier Hoslet/EPA/dpaLaut einer Bertelsmann-Studie spricht sich eine Mehrheit der EU-Bürger für eine Vertiefung der EU aus. Symbolfoto: Olivier Hoslet/EPA/dpa

Brüssel/Gütersloh. Freier Verkehr von Waren, Geldströmen, Menschen: Die Mehrzahl der Menschen in der EU hat mit der Globalisierung persönlich gute Erfahrungen gemacht, sieht sie allgemein aber trotzdem teils als Bedrohung. Daher hoffen viele auf eine stärkere Rolle der EU.

Mehr als die Hälfte der EU-Bürger wünscht sich einer Umfrage zufolge mehr europäische Integration – unabhängig davon, ob sie Globalisierung positiv oder negativ sieht. 56 Prozent der Bürger sehen Globalisierung als Chance, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Von ihnen wünschen sich wiederum knapp zwei Drittel (64 Prozent) eine vertiefte europäische Zusammenarbeit. Lediglich Anhänger rechter und rechtsextremer Parteien lehnen demnach jede Art politischer oder wirtschaftlicher Öffnung deutlich ab.

44 Prozent der Befragten sehen Globalisierung als Bedrohung. Dabei kann die EU nach Ansicht etlicher Skeptiker eine Schutzrolle spielen: In dieser Gruppe wünscht sich eine knappe Mehrheit mehr EU-Vertiefung (45 Prozent), vor allem bei Fragen der Sicherheit und der Migration. 41 Prozent sprechen sich für weniger EU-Integration aus.

Die bei Befürwortern und Skeptikern der Globalisierung jeweils zu 100 Prozent fehlenden Angaben entfallen auf die Antwort, dass die EU-Integration auf dem derzeitigen Stand unverändert bleiben solle.

Mehrheitlich gute Erfahrung mit Globalisierung

Persönlich haben 66 Prozent der Befragten hingegen mit der Globalisierung „eher gute“ oder „gute“ Erfahrungen gemacht - etwa weil sie günstiger an Waren und Dienstleistungen gekommen sind. „Wenn es um Gestaltung globaler politischer Herausforderungen und Steuerung internationaler Prozesse wie der Globalisierung geht, sieht eine deutliche Mehrheit der Bürger die Europäische Integration als Teil der Lösung“, sagte Studienleiterin Isabell Hoffmann.

Große Ausnahme: Wähler rechter und rechtsextremer Parteien. In Frankreich etwa sind lediglich die Anhänger der rechtsextremen Partei Front National mehrheitlich gegen mehr EU-Integration (64 Prozent). In Polen will die Mehrheit der Anhänger der rechtspopulistischen Oppositionspartei Kukiz‘15 weniger europäische Zusammenarbeit. Hierzulande sprechen sich 59 Prozent der AfD-Anhänger deutlich gegen europäische Vertiefung aus. Zudem scheine bei der FDP das Europa-Bekenntnis zu wackeln, heißt es von den Studienautoren. Nur knapp die Hälfte der FDP-Anhänger (49 Prozent) ist demnach für mehr europäische Integration. Das ist nach der AfD der niedrigste Wert in Deutschland.


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