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Franz-Josef Bode im Interview Osnabrücker Bischof: Über Segnung von Homo-Ehe nachdenken

Von Stefanie Witte


Osnabrück. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode regt an, über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nachzudenken. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Bode außerdem über den Einsatz indischer Priester im Bistum und den Diakonat der Frau.

Herr Bischof, Sie haben in Ihrer Silvesterpredigt gefordert, die Zeichen der Zeit zu erkennen – auch in Bezug auf Ehe und Sexualität. Was meinen Sie damit konkret?

Es geht mir um grundsätzliche Fragen von Partnerschaft und des Umgangs miteinander. Ein Beispiel: Auch wenn sich die „Ehe für alle“ eindeutig vom Eheverständnis der Kirche unterscheidet, ist sie nun politische Realität. Wir müssen uns daher fragen, wie wir denjenigen begegnen, die diese Verbindung eingehen und die sich ja zum Teil auch in der Kirche engagieren. Wie begleiten wir sie pastoral und liturgisch? Wie werden wir ihnen gerecht?

Welche Möglichkeiten sehen Sie?

Man muss immer mitbedenken, woher die Kirche kommt. Mancher mag sagen: Was hat denn die Kirche überhaupt für ein Problem damit? Aber oft wird in der Kirche eine gleichgeschlechtliche Beziehung zuerst als schwere Sünde eingeordnet. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen differenziert bewerten. Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen? Man kann zum Beispiel über eine Segnung nachdenken – die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung.

Wurde bei diesem Thema schon genug getan?

Ich meine, wir müssen in der Kirche ausführlicher darüber diskutieren. Schweigen und tabuisieren führt nicht weiter und verunsichert.

Eine weitere Herausforderung besteht im Priestermangel und schrumpfenden Gemeinden. Wie steuern Sie gegen?

Wenn wir künftig nur noch ganz wenige Bewerber für die Weihe haben, müssen wir umso mehr alle anderen befähigen, von ihrem Glauben zu sprechen und Verantwortung zu übernehmen. Die Getauften und Gefirmten dürfen nicht einfach nur auf einen Priester oder Diakon warten, sondern müssen ihren Glauben benennen können und inhaltlich verstehen. Wir reden viel von Strukturen, aber dahinter liegt die tiefere Frage: Wie bleiben die Leute bei einem Glauben, der auf ihre existenziellen Fragen eine Antwort gibt?

Wie wollen Sie das erreichen?

Wir bilden, erstens, ehrenamtliche Gemeindeteams, damit Gemeinde auch ohne die ständige Präsenz von Hauptamtlichen vor Ort ein Gesicht behält. Zweitens sollen Pastorale Koordinatoren die Pfarrer zunehmend entlasten, indem sie sich mit Organisation und Personalfragen beschäftigen. Das wird nun in rund 20 Gemeinden umgesetzt. Und drittens wollen wir beginnen, Pfarrbeauftragte einzusetzen, die Leitungsfunktionen in den Gemeinden übernehmen sollen. Ein Priester wird dann eine Seelsorgeeinheit geistlich begleiten, muss aber nicht immer vor Ort sein. Diese Pfarrbeauftragten können übrigens explizit auch Frauen sein.

Stichwort Frauen – Sie haben mehrfach angeregt, über den Diakonat der Frau zu sprechen. Seit 2016 gibt es dazu eine Kommission im Vatikan. Ansonsten scheint das Thema nicht allzu lebendig zu sein…

Die Frage ist komplexer als man meint. Zum einen kann man den Diakonat – so wie wir ihn jetzt für Männer kennen – nicht einfach auf Frauen übertragen. Zum anderen erforscht die Kommission sehr stark die Tradition. Ich bin aber der Meinung, dass man nicht nur von der Tradition ausgehen sollte. Wir müssen auch der Tatsache gerecht werden, dass Frauen heute in hohem Maße verantwortungsvolle Tätigkeiten in der Kirche übernehmen. Ich wünsche mir dazu ein Gespräch zwischen Expertinnen auf diesem Gebiet und den zuständigen Bischöfen in der Bischofskonferenz, und – soweit das möglich ist – auch einen Kontakt zu der Gruppe, die sich in Rom mit diesen Fragen beschäftigt. Letztlich wird über diese Frage ein Konzil oder eine Synode entscheiden müssen.

Wie reagieren Ihre Kollegen in der Bischofskonferenz auf das Thema?

Grundsätzlich halten sie das Thema Diakonat der Frau für relevant. Die Ernsthaftigkeit der theologischen Forschung dazu kann man nicht in Frage stellen. Ich glaube aber auch, dass sich die Bischofskonferenz noch stärker mit diesem Thema beschäftigen muss.

Ein weiterer Versuch, Lücken zu schließen, besteht darin, ausländische Priester nach Deutschland zu holen. Bisweilen werden sprachliche Hürden und kulturelle Unterschiede beklagt. Auch das Bistum Osnabrück setzt seit rund zehn Jahren vermehrt indische Priester ein. Welches Fazit ziehen Sie heute?

Wir freuen uns zuallererst, dass die indischen Priester da sind – rund 30 Männer sind es im Bistum Osnabrück. Mit ihnen haben wir auch rund 150 Ordensschwestern aus Indien bei uns. Ohne sie könnten wir unser Netzwerk nicht in seiner aktuellen Form aufrechterhalten. Das Problem ist auch weder die Hautfarbe, noch der kulturelle Unterschied. Die größte Schwierigkeit ist die Sprachbarriere. So wie es für uns sehr schwer wäre, Indisch zu lernen, ist für manche der Priester die präzise Aussprache im Deutschen schwierig. Was die Weise der Seelsorge angeht, sind die Priester grundsätzlich sehr offen, aber auch da gibt es hier und da Grenzen.

Wie soll es in Zukunft mit den indischen Priestern weitergehen?

Ich bin überzeugt, dass wir unseren Priestermangel nicht dadurch beheben können, dass wir Priester aus der weiten Welt holen. Alle Päpste der vergangenen Jahrzehnte sprechen von der Inkulturation des Evangeliums – also von der Anpassung an die jeweils vorhandenen kulturellen Gegebenheiten. Das gilt dann auch für uns und unsere Situation. Außerdem stellt sich die Frage nach dem zahlenmäßigen Verhältnis. Aktuell kommen bei uns von rund 150 Priestern etwa 30 aus Indien. Dieses Niveau wollen wir nicht überschreiten.

Gibt es diesbezüglich Dinge, die Sie jetzt anders machen würden als am Anfang?

Ja – wir haben dazugelernt. Die Qualifizierung muss kontinuierlicher stattfinden. Es reicht nicht, dass jemand einmal die Sprache gelernt hat. Man muss immer wieder sprachlich fortbilden. Eine Predigt abzulesen, ist das eine. Aber spätestens in seelsorglichen Gesprächen und bei der Beichte gibt es kein Manuskript mehr. Da wird es schwieriger. Dazu kommt die kulturelle Fortbildung. Wenn man hier arbeiten möchte, muss man sich von den Gegebenheiten vor Ort leiten lassen. Das hat auch mit dem Verhalten gegenüber Laien zu tun.

Ein ganz anderes Thema: Das Lutherjahr ist vorbei. Was glauben Sie – was bleibt von der ökumenischen Annäherung?

Das Reformationsgedenken war ein sehr gutes Jahr für die Ökumene. Wir haben große Gottesdienste zusammen gefeiert, und ich würde sagen, dass der Grundwasserspiegel der Beziehungen gestiegen ist. Auf dieser Basis kann man dann auch leichter über schwierige Fragen sprechen.

Welche Fragen sind das?

Zum einen geht es darum, wie wir die Einheit verstehen. Dann muss man über das Abendmahl und die Rolle der Kirche nachdenken, auch über die konfessionsverschiedenen Ehen und die Frage nach der Möglichkeit für eine gemeinsame Kommunion. Ich hoffe sehr, dass wir da in diesem Jahr einen Schritt weiterkommen. Auch in komplexen ethischen Fragen wäre es hilfreich, wenn wir uns besser absprächen.

Die deutschen Bischöfe können in diesen Fragen nicht einfach alleine entscheiden. Welchen Einfluss hat die deutsche katholische Kirche beim Thema Ökumene?

Ich glaube schon, dass die Gesamtkirche sehr auf das Land der Reformation schaut. Die Theologie ist hier in dieser Hinsicht sehr differenziert. Die europäischen Kirchen und gerade auch die deutsche Kirche spielen da schon eine besondere Rolle.