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07.01.2018, 16:58 Uhr KOMMENTAR

Rassistischer Maier-Tweet: Vom Müllhaufen der Sprache

Kommentar von Maik Nolte

Über dem Twitter-Account von Jens Maier (l.) wurde Noah Becker beleidigt - nun erstattete dieser Anzeige. Foto: dpaÜber dem Twitter-Account von Jens Maier (l.) wurde Noah Becker beleidigt - nun erstattete dieser Anzeige. Foto: dpa

Osnabrück. Noah Becker wird auf dem Account des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier als „Halbneger“ bezeichnet. Wieder mal wird so die Verrohung des gesellschaftlichen Miteinanders vorangetrieben - mit kaum absehbaren Folgen.

Es ist schon erstaunlich. Das Wort „Neger“ war doch längst auf dem Müllhaufen der Sprache gelandet. Dort, wo es hingehört. Und nun wird ausgerechnet im Tweet eines Bundestagsabgeordneten so getan, als sei die Zeit reif, jemanden wieder ganz offen als „Halbneger“ zu bezeichnen – so als hätte der AfD-Politiker Jens Maier zu allem Übel auch noch eigene Rassegesetze aufgestellt.

Das folgende Spiel ist hinlänglich bekannt: Maier will es gar nicht selbst gewesen sein, der die rassistische Twitter-Botschaft abgesetzt hat, sondern ein namenloser Mitarbeiter. Als ob das die Sache irgendwie erträglicher machen würde. Wie so oft heißt es: An die Riemen, es wird wieder mal zurückgerudert – bis zum nächsten Anlauf, die Grenzen der sprachlichen – und damit der gesellschaftlichen - Verrohung weiter vorzuschieben.

Zwar droht Maier nun Ärger mit Parteichef Jörg Meuthen; ob es aber tatsächlich ernsthafte Konsequenzen geben wird, bleibt abzuwarten. Am unbedingten Willen der AfD-Führung, derartigen Ungeheuerlichkeiten mit allen Mitteln entgegenzutreten, darf man nach den bisherigen Erfahrungen durchaus zweifeln. Rechte Polemik ist schließlich das Geschäftsmodell der Populistenpartei, und dass ihr im Buhlen um Stimmen vom rechten Rand die CSU – Stichwort „finale Lösung der Flüchtlingsfrage“ - bereits auf den Leim geht, lässt einen ziemlich unappetitlichen Wahlkampf in Bayern erwarten. Mit absehbaren gesellschaftlichen Folgen.


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