Ohne Eltern geflüchtet Immer noch 5300 Flüchtlingskinder in Deutschland vermisst

Von Marion Trimborn

Immer noch gelten in Deutschland knapp 5300 Flüchtlingskinder und -jugendliche als vermisst. Foto: dpaImmer noch gelten in Deutschland knapp 5300 Flüchtlingskinder und -jugendliche als vermisst. Foto: dpa

Osnabrück. Nach der Ankunft in Deutschland verschwunden – immer noch teilen mehr als 5000 Flüchtlingskinder und –jugendliche dieses Schicksal. Sie sind ohne Familie ins Land gekommen. Die meisten Fälle sind harmlos: Nach der Registrierung sind die jungen Leute oft einfach weiter gereist, ohne sich abzumelden – und bleiben in der Vermisstenkartei stehen.

Auch mehr als zwei Jahre nach der Flüchtlingskrise gelten in Deutschland immer noch 5288 Flüchtlingskinder und –jugendliche als vermisst. Das zeigen Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA), die unserer Redaktion vorliegen. Diese jungen Leute sind ohne Begleitung nach Deutschland gekommen, wurden registriert und werden nach wie vor in Aufnahmeeinrichtungen vermisst.

Der Trend zeigt aber deutlich nach unten: Vor einem Jahr, Anfang 2017, galten noch knapp 8350 unbegleitete und geflüchtete Kinder und Jugendliche als verschwunden.

Die Zahlen waren mit dem Flüchtlingsstrom 2015/2016 nach oben geschnellt. Grund für den Rückgang ist, dass inzwischen weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen, viele Kinder wieder aufgetaucht sind und doppelte Meldungen aufgeklärt werden konnten.

Derzeit sind nach BKA-Angaben die meisten der Verschwundenen Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren (4320), nur 968 unbegleitete Flüchtlinge sind Kinder bis 13 Jahre.

Fälle sind in der Regel harmlos

Meist ist die Sache harmlos und die Fälle haben keinen kriminellen Hintergrund, berichtete die Behörde. Die Flüchtlingskinder und -jugendlichen sondern reisen einfach weiter zu ihrer Familie oder Freunden, ohne sich in der Aufnahmeeinrichtung abzumelden. Betreuer und Jugendämter geben dann eine Vermisstenanzeige auf – und die Namen bleiben in der Fahndungsdatenbank stehen. Die Statistik wird auch dadurch nach oben verzerrt, weil Vermisste häufig mehrfach registriert sind, wenn sie sich etwa in zwei Unterkünften an verschiedenen Orten aufgehalten haben, es mehrere Schreibweisen desselben Namens gibt oder ihre Personalien nicht feststehen, weil sie keinen Ausweis dabei haben.

Insgesamt weniger Vermisste in Deutschland

Der Rückgang bei den vermissten Flüchtlingen hat auch die Gesamtzahl der in Deutschland vermissten Menschen sinken lassen. Laut Bundeskriminalamt sind derzeit 14 220 Personen in der Vermisstenstatistik registriert – vor einem Jahr (Anfang 2017) waren es noch 17 190.

Manche Fälle seit 30 Jahren ungeklärt

Das BKA wies darauf hin, dass die Zahlen jeweils nur eine Momentaufnahme darstellen. „Die Statistik beinhaltet sowohl die Vermisstenfälle, die innerhalb von einigen Tagen geklärt werden, als auch die ungeklärten Fälle, die bis zu 30 Jahre zurückliegen“, teilte eine Sprecherin mit. Pro Tag gebe es zwischen 200 und 300 neue Fälle, in etwa die gleiche Anzahl werden pro Tag gelöscht. Die Datei wird von allen Vermisstenstellen der Polizeien der Länder und des Bundes genutzt.

Das BKA verwies darauf, dass die Polizei alles tue, um die Fälle aufzuklären und „um die Kinder im Falle ihres Antreffens als vermisstes Kind oder vermissten Jugendlichen zu erkennen.“