Talkshow im ZDF „Panama“ bei Illner: Thematischer Wildwuchs und der Todesstern

Von Stefanie Witte | 08.04.2016, 01:53 Uhr

Böse Banken, böses Ausland, böse Reiche – böses Deutschland? Thematischer Wildwuchs am Donnerstagabend bei Maybrit Illner. Einzige Lichtblicke: ein aufmerksames Publikum und ein rhetorisch fitter Linken-Politiker.

 Die Gäste: Fabio de Masi (Europa-Abgeordneter für die Linke), Ralph Brinkhaus (stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag und Steuerberater), Thomas Wenzler (Anwalt für Steuerrecht), Wolfgang Krach (Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung), Sebastian Fiedler (stellvertretender Vorsitzender Bund Deutscher Kriminalbeamter) und Wolfgang Gerke (Bankenexperte).

 Das Thema: Illner reagiert auf die Panama-Enthüllungen der Süddeutschen Zeitung und beschäftigt sich mit düsteren Finanzgeschäften. Gegenprogramm zur bunten Echo-Preisverleihung in der ARD. Der Talkshowtitel: „Die dunkle Welt der Super-Reichen – Vermögen verschleiert und versteckt?“

 Der Höhepunkt: CDU-Fraktionsvorsitzender Ralph Brinkhaus argumentiert gegen Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter: Der deutsche Staat habe sehr wohl gegen Steuerhinterziehung und Verschleierung agiert und stolze 44 Gesetze verabschiedet. Lautes Lachen im Publikum, das Masse statt Klasse nicht akzeptiert.

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 Die Tiefpunkte: „Es gibt Leute, die wissen gar nicht, dass sie sowas haben“, verteidigt Steueranwalt Thomas Wenzler vermögende Briefkastenfirmeninhaber. Es könne vorkommen, dass Vermögensverwalter derlei Firmen oder Beteiligungen ohne Wissen der Eigentümer vermitteln. Arme Reiche. Gegen Ende der Sendung fordert Bankenexperte Wolfgang Gerke ein Einreiseverbot für Panamesen (Bürger des Briefkastenfirmenstandortes Panama) in anderen Ländern.

 Der Streit: Ist Deutschland eine Steueroase? Linken-Politiker Fabio de Masi meint: Ja – nach der Herkunft von Geld werde hier nicht groß gefragt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus hält dagegen: Deutschland sei eben ein besonders stabiler Staat. Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter glaubt nicht an diese Erklärung. Später hält Brinkhaus dem Staatsbediensteten vor: Ab dem nächsten Jahr verfüge der doch mit einem zentralen Register über das nötige Ermittlungsinstrument im Kampf gegen illegales Geld. Fiedler zweifelt an Brinkhaus‘ Aussagen: „Sie verkaufen hier heute eine wirklich schemenhafte Version der Realität.“

 Der Stilbruch: Ein Einspieler zeigt die Welt der Briefkastenfirmen als Todesstern – immerhin einer der verspieltesten Talkshow-Einspieler der vergangenen Monate.

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 Der Unterhaltungsfaktor: Vor allem Fabio de Masi unterhält mit ironischem Sprachwitz, berichtet etwa von einem erfolgreichen Anruf in Panama. Beim Wunsch nach Steuerhinterziehung sei man dort sehr hilfreich gewesen. Illner wirkt dagegen streckenweise fahrig. Ein unübersichtlicher Aufbau spiegelt die Frage des Abends wider, die eigentlich gar keine ist. Es geht um Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Verschleierung, Briefkastenfirmen, Steueroasen, fehlende Aufsichtsbehörden und viele andere abstrakte Begriffe. Sinnvoll aufgebaut wirkt die Sendung nicht. Und warum geht es mitten im Briefkasten-Talk übergangslos plötzlich um Steueroasen?

 Zwei Erkenntnisse: Laut Chefredakteur Krach gibt es noch wesentlich mehr prominente deutsche Namen, die in den Unterlagen aus Panama auftauchen. Nicht allen Firmenbeteiligten ließen sich jedoch Straftaten nachweisen. Außerdem: Sein Geld deponiere niemand in Panama, so Süddeutsche-Chefredakteur Wolfgang Krach. Das Land werde nur dafür genutzt, Geschäfte, vor allem Finanzgeschäfte, zu verschleiern. Das Geld selbst liege dann doch eher in der Schweiz.