Kommentar Debatte um Umgang mit Flüchtlingen: Der Horror von Moria

Meinung – Melanie Heike Schmidt | 30.09.2019, 19:46 Uhr

Nach dem tödlichen Feuer im berüchtigten und chronisch überbelegten Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos ist die Debatte um den Umgang mit Flüchtlingen in vollem Gange. Auch in Deutschland ist das Thema präsent: Innenminister Seehofer verlängert die Schleierfahndung, um illegal Einreisende zu schnappen. Aber ist das die dringlichste Herausforderung?

Als 2016 eine Delegation des Europarats das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos besuchte, waren die Mitglieder entsetzt. „Unmenschlich“ sei es dort, hieß es. Damals lebten in Moria 3000 Menschen. Nun sind es 13.000. Moria ist ein Slum. Und ein Mahnmal verfehlter Flüchtlingspolitik. Dass nun bei einem Feuer Flüchtlinge starben, ist die Zuspitzung eines Dramas, das lange bekannt ist.

Die Lösung des Problems wird weitergereicht: Die Uno fordert, Athen müsse eingreifen, Athen verlangt, die EU müsse helfen. Brüssel zeigt auf die Türkei, sie solle mehr Flüchtlinge zurücknehmen. Am Ende ist niemand zuständig. Oder?

Klar ist: Flüchtlinge sind ein EU-Problem. Wo bleibt der EU-Sondergipfel? Und wo der Flüchtlingspakt?

Während der Horror von Moria weitergeht, verlängert Deutschlands Innenminister Horst Seehofer hierzulande die Schleierfahndung. Immer noch sei die Zahl illegaler Grenzübertritte hoch, begründet der Minister.

Bleibt die bittere Frage: Welches Flüchtlingsproblem ist aktuell dringlicher: mutmaßlich illegal ins Land Strebende mit immensem Aufwand daran zu hindern oder sich endlich den unerträglichen Zuständen in Camps wie Moria zu widmen? Eine Regierung, deren Mitglieder mehrheitlich ein „c“ für „christlich“ im Parteibuch tragen, sollte die Antwort kennen.