Kommentar Regenwald: Verbales Schlammcatchen statt Brandbekämpfung

Meinung – Stefanie Witte | 27.08.2019, 19:39 Uhr

Was, wenn in einem Land etwas passiert, das Auswirkungen auf die ganze Welt hat? Tschernobyl war so ein Beispiel. Dessen unmittelbaren Folgen lassen sich zwar nicht vergleichen. Aber die brasilianische Regierung verhält sich im Zusammenhang mit den Waldbränden im Amazonasgebiet ähnlich problematisch wie damals die Sowjetunion. Ein Kommentar.

Brasiliens Führung leugnet und redet klein. Und sie hält daran fest, kurzfristige wirtschaftliche Erfolge über den Schutz des Regenwaldes zu stellen.

Statt der Rodung nachhaltig entgegenzuwirken und die Feuer mit aller Macht zu löschen, geht das Land lieber im verbalen Schlammcatchen mit dem französischen Präsidenten in die nächste Runde. Die brasilianische Führung verbreitet Kolonialismus-Vorwürfe, unterstützt eine sexistische Attacke auf Emmanuel Macrons Ehefrau. Der Präsidialamtschef rät den Europäern gar, besser vor der eigenen Haustür zu kehren und eigene Wälder aufzuforsten.

Ja, wünschenswert wäre eine Regierung, die sich der langfristigen Gefahr fürs Weltklima bewusst ist und entsprechend handelt, die respektvoller Diplomatie zugänglich ist.

Aber immerhin: Wenn der brasilianische Präsident nun Bedingungen stellt, um international zu kooperieren, und angesichts einer Blockade des Mercosur-Abkommens das Militär zur Brandbekämpfung einsetzt, bewegt sich immerhin etwas – wenn auch langsam.