VW setzt auf E-Autos CDU-Europapolitiker Gieseke fürchtet um kleine VW-Standorte

Von Marion Trimborn | 20.03.2019, 02:44 Uhr

VW setzt komplett auf Elektroautos - eine riskante Strategie, findet der niedersächsische CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke. Er warnt hat den Autobauer vor einer einseitigen Konzentration und fürchtet einen massiven Stellenabbau in den VW-Werken Osnabrück und Emden.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Gieseke: „Ich halte die Entscheidung, nur noch auf E-Mobilität zu setzen, für sehr bedenklich. Die These der Alternativlosigkeit ist falsch, man muss die Zukunft des Autos technologieneutral angehen und diversifizieren.“ Der CDU-Politiker aus dem Emsland fügte hinzu: „Meiner Ansicht nach wird es in der Autoindustrie einen Mix an Antriebsarten geben.“ Er könne sich nur sehr schwer vorstellen, dass im Jahr 2030 alle Autos nur noch elektrisch unterwegs seien – zumal das Problem der Batteriezellen-Produktion und flächendeckender Auflade-Stationen ungelöst sei.

Gieseke fürchtet Stellenabbau

Bei einer zu einseitigen Festlegung auf E-Antriebe fürchtet Gieseke einen noch stärkeren Stellenabbau: „Die reine Konzentration auf E-Mobilität wird signifikante Auswirkungen auf die Beschäftigung haben.“ Studien zeigten schon jetzt, dass durch den Umstieg 75 000 Jobs deutschlandweit verloren gehen könnten: „Wenn wir uns zu einseitig auf E-Mobilität ausrichten, könnten diese Zahlen noch höher sein“, warnte Gieseke.

VW und Ford bauen Jobs ab

VW hatte in der vergangenen Woche angekündigt, 7000 Stellen abzubauen, Ford 5000 Stellen. Der Abgeordnete hält nichts davon, Verbrennungsmotoren zu verbieten, wie es im EU-Parlament teilweise gefordert wird: „Ich halte nichts von einem Verbot von Verbrennungsmotoren. Mein Motto ist: Keine Verbote, keine einseitigen Festlegungen auf eine Antriebsart, denn das kann zu großen Verwerfungen führen.“

Gefahr für kleine Standorte

Gieseke hatte im Zuge der europäischen CO2-Gesetzgebung für Abgasgrenzwerte von Autos immer wieder vor einem massiven Arbeitsplatzabbau gewarnt. Der CDU-Politiker sorgt sich insbesondere um die kleinen VW-Werke: „Wenn ich von einer Motorenfabrik auf Elektro-Antriebe wechsle, dann geht jeder zweite Job verloren und das ist eine bittere Nachricht für die VW-Beschäftigten.“ Bei einem großen Konzern wie VW laufe das Geschäft nur über den Mengenabsatz: „ Und da haben kleine Standorte wie Osnabrück oder Emden es überproportional schwer.“

Volkswagen-Chef Herbert Diess hatte jüngst erklärt, es gebe keine Alternative mehr zum Elektroauto und gesagt: „Wir müssen uns fokussieren. Technologieoffenheit ist jetzt die falsche Parole.“

VW spaltet die Autoindustrie

Damit spaltet VW die deutsche Autoindustrie und droht mit einem Ausstieg aus dem Industrieverband VDA, der nach wie vor auf einen Technologiemix setzt. Gieseke sagte dazu: „Ich halte nichts von Abspaltungstendenzen. Wenn das größte Mitglied droht, seine Mitgliedschaft zu kündigen, ist das eine Zerreißprobe für den Verband. Das ist nicht gut für die deutsche Autoindustrie.“