Arbeitgebertag in Berlin Warum wir einen Zukunftspakt brauchen

Meinung – Uwe Westdörp | 12.11.2019, 15:13 Uhr

Angesichts der schwächeren Konjunktur hat Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer zu einem Zukunftspakt aufgefordert. Das ist eine gute Idee - vor allem dann, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften mit gutem Beispiel vorausgehen. Ein Kommentar.

Was wird aus Jobs und Betrieben, wenn das Wirtschaftswachstum schrumpft? Müssen jetzt die Unternehmenssteuern sinken? Oder ist es an der Zeit für Konjunkturprogramme? Und vor allem: Wie gelingt unter wachsendem Globalisierungsdruck der Spagat zwischen sozialer und wettbewerbsfähiger Marktwirtschaft?

Arbeitgeber und Gewerkschaften haben auf solche Fragen naturgemäß unterschiedliche Antworten. Und doch kommt es mehr denn je darauf an, dass sie eng und kompromissbereit zusammenarbeiten.

Denn die Liste der Konflikte und Herausforderungen ist schon lang genug. Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie stecken mitten in einem tiefen Umbruch, siehe E-Mobilität und autonomes Fahren. Die Digitalisierung führt zu Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt. Handelskriege und Brexit zeigen, wie verbreitet und folgenschwer nationaler Egoismus ist. Und dann ist da ja auch noch das Problem der stark alternden Gesellschaft. Reformen wie die Einigung auf die Grundrente nehmen sich vor dem globalen Hintergrund aus wie Lego-Männchen vor der Eigernordwand.

Es ist deshalb richtig und wichtig, dass Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer auf einen Zukunftspakt drängt. Dass sich daran auch die Politik beteiligen muss, steht außer Frage. Notwendig ist aber zugleich, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber auf unnötige Konfrontation verzichten. Denn fest steht: Die kommende Tarifrunde steht unter deutlich verschlechterten Vorzeichen.