Prozess in Dresden Der Krieg der Rechtsextremisten hat längst begonnen

Meinung – Uwe Westdörp | 30.09.2019, 19:31 Uhr

Rund ein Jahr nach der Aufdeckung einer mutmaßlichen Terrorzelle in Sachsen hat der Prozess gegen acht Angeklagte begonnen. Der Generalbundesanwalt wirft den Männern vor, als Mitglieder der Gruppe "Revolution Chemnitz" tödliche Anschläge geplant zu haben. Es ist ein neues Beispiel für die große Gefahr von rechts. Ein Kommentar.

Der braune Sumpf ist tief, und er hat sich weit ausgebreitet. Sogar zu Krieg rufen Rechtsextremisten mittlerweile auf, nachzulesen in Chatprotokollen der mutmaßlichen Terrorzelle „Revolution Chemnitz“, der jetzt der Prozess gemacht wird. Das ist nicht irgendein Verfahren, sondern ein brandaktuelles Beispiel dafür, dass nicht allein von Islamisten und den anderen üblichen Verdächtigen tödliche Gefahren ausgehen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit 1990 werden rechtsextreme Gewalttaten systematisch erfasst. Die Behörden zählten bislang 85 Todesopfer. Vielleicht waren es aber auch doppelt so viele, wie Journalisten unlängst vorgerechnet haben. Denn in vielen Fällen ist umstritten, ob es politische Gewalt war oder private Motive gab.

Niemand weiß auch, ob der Nationalsozialistische Untergrund (NSU), die bislang bekannteste Gruppe von Rechtsterroristen, nicht noch weitere Mitglieder gehabt hat. Sicher aber ist, dass es Menschen gibt, die den Mördern nacheifern wollen, siehe „Revolution Chemnitz“. Insofern haben die Behörden in diesem Fall mit größter Wahrscheinlichkeit Schlimmes verhindert.

Nach der Aufdeckung der NSU-Morde hat es zu Recht geheißen, die Behörden seien auf dem rechten Auge blind. Das lässt sich zumindest im aktuellen Fall nicht sagen – ein Zeichen der Hoffnung nach fürchterlich vielen Negativschlagzeilen.

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