Kommentar Kampf gegen Kippen: Ein Nebenkriegsschauplatz

Meinung – Stefanie Witte | 12.08.2019, 18:51 Uhr

Hersteller von Fast-Food-Verpackungen und Zigaretten sollen also Geld an Stadtreinigungen zahlen, die den Müll am Ende vom Gehweg entfernen? Das klingt gut, entspricht dem Zeitgeist als auch EU-Vorgaben. Und es wirkt gerecht: Die Hersteller reichen ihre Belastung weiter. Am Ende zahlt derjenige, der die Zigarette raucht und auf die Straße wirft, mehr als sein Nachbar, der Nichtraucher. So einfach ist es aber nicht.

Was ist mit Rauchern, die ihren Abfall ordentlich im Restmüll entsorgen? Und warum geht es nur um Zigaretten und Fastfood? Was ist mit der zerbrochenen Bierflasche? Und wieso akzeptiert die Ministerin überhaupt, dass der Müll auf der Straße landet? Wenn der vermieden werden soll, wären abschreckend hohe Bußgelder ein Weg. Die müssten jedoch wiederum eingetrieben werden.

Und wenn es Svenja Schulze wirklich um die Vermeidung von Plastikmüll ginge, müsste sie sogar noch einen Schritt früher ansetzen, die aktuelle plastikfeindliche Stimmung nutzen und auf Forschung und Anreize für Industrie und Verbraucher setzen, damit von Anfang an weniger Tomaten in Plastik verpackt werden und der Plastikanteil in Häusern und Autos sinkt.

Aber statt Vorreiter in der Umweltpolitik zu sein, widmet sich Deutschland mit dem Kampf gegen die Zigarettenkippe auf dem Gehweg einem Nebenkriegsschauplatz. Ein trauriges Schauspiel.