Wendel: Bin sauer bis zornig 0:0 gegen Hennef: Lotte und die Ladehemmung

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Den Ball im Visier: Jesse Weißenfels (Mitte) hatte zahlreiche Lotter Chancen – das Tor traf auch er nicht. Foto: MrugallaDen Ball im Visier: Jesse Weißenfels (Mitte) hatte zahlreiche Lotter Chancen – das Tor traf auch er nicht. Foto: Mrugalla

Lotte. Es war nur ein kleiner Versprecher, doch in Lottes kombiniertem Gasthaus-Presseraum sorgte er zumindest kurz für Erheiterung. 0:0 war die Partie zwischen den Sportfreunden Lotte und dem FC Hennef ausgegangen, Pressesprecher Alfons Manikowski aber wollte wissen, was die Trainer über das „1:1“ so denken. An der mageren Ausbeute von nur einem Zähler für Lotte hätte es nichts geändert. Doch „lieber“, das gestand Interimstrainer Henning Grieneisen, wäre ihm das 1:1 dennoch gewesen. „Es hätte bedeutet, dass wir wenigstens getroffen hätten“, erklärte er.

Wieder kein Tor – und das gegen den Tabellenletzten der Regionalliga West. Gegen Fußballer, die zwar vorher zweimal in Serie „zu null“ gespielt hatten, aber in der Liga bereits 37 Gegentreffer kassierten, so viel wie keine sonst. „Viel hat Hennef nicht getan, dass es kein Tor gab“, sagte Grieneisen und fügte an: „Wir sind enttäuscht und haben Frust.“ Mittelfeldspieler Tim Wendel ordnete seinen Gemütszustand von „sauer bis zornig“ ein.

Direkt nach dem Abpfiff war er auf den Boden gesunken wie viele seiner Kollegen. Nur Torhüter Benedikt Fernandez stürmte wild gestikulierend umher. 90 und ein paar Nachspielminuten lang hatte er ansehen müssen, wie seine Vorderleute immer wieder scheiterten. „Wir haben genug Chancen, aber wir treffen das Tor nicht“, sagte Fernandez fast verzweifelt. Er selbst hatte wenig zu tun. „Wenn man ehrlich ist“, gestand Hennefs Trainer Marco Bäumer: „eine richtige Chance hatten wir nicht.“

Im Gegensatz zu Lotte. Die beste hatten die Gastgeber in der 8. Minute. Von links zog Jesse Weißenfels vor das Tor. Zwei seiner Gegner ließ er mühelos stehen, danach setzte er den Ball an die Latte. Zwei Minuten später hatte er schon die nächste Möglichkeit. Bernd Rosinger fing einen der wackligen Abschläge von Hennefs Torhüter René Monjeamb ab und steckte den Ball zu Deniz Cicek. Der Flügelstürmer legte zu Weißenfels weiter, doch der machte einen Haken zuviel. Seinen Schuss konnte Monjeamb locker parieren. Pires-Rodrigues setzte den Ball knapp drüber. Einen wuchtigen Schuss von Mark Zeh und einen Kopfball von Wendel entschärfte Monjeamb. Es ist nur ein Auszug.

„Mehr Chancen kann man sich fast nicht erspielen als wir in der ersten Hälfte“, sagte Grieneisen: „Wir hätten uns mit ein bis drei Toren belohnen müssen.“ Das 4:0 im Pokal in Vreden sollte das Vertrauen an die eigene Vollstreckerqualität zurückbringen. Doch in der Liga, es bleibt dabei, hat Lotte Ladehemmung. In der zweiten Halbzeit mündete das gegen Hennef nach und nach in Resignation – es gelang nur noch wenig.

Erst 17 Tore hat Lotte bis zum 17. Spieltag geschossen und schon 17 kassiert. In der Vorsaison waren es zur gleichen Zeit 33 Treffer bei neun Gegentoren. Damit stand man auf dem zweiten Platz, diesmal ist es Rang elf. Der Abstand auf Tabellenführer Essen beträgt eine Woche vor dem direkten Duell zwölf Punkte, der auf einen Abstiegsplatz sieben.

Die Ernüchterung ist auch im Stadion zu spüren. 434 Zuschauer wurden vermeldete. Es wirkte, als wären es weniger gewesen. „Die Kulisse war schon enttäuschend“, gestand Grieneisen. Es ist offensichtlich: Nur mit einem Erfolgserlebnis kann man Team und Fans wieder etwas Leben einhauchen. „Das Gute“, sagt Grieneisen, sei, „dass man Toreschießen im Training üben kann.“ Doch er kennt auch das Problem: Je länger man das macht und es nicht klappt, desto größer wird der Frust.


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