Panthers skeptisch Basketball: Keltern kippt die „Deutschenregelung“

Von Johannes Zenker

Hofft darauf, dass die Nachwuchsarbeit im deutschen Damen-Basketball geschützt wird: Panthers-Trainer Christian Kaiser. Foto: HülsmannHofft darauf, dass die Nachwuchsarbeit im deutschen Damen-Basketball geschützt wird: Panthers-Trainer Christian Kaiser. Foto: Hülsmann

Pforzheim/Osnabrück. Auf Druck von Basketball-Zweitligist Grüner Stern Keltern musste die Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) kurzfristig ihre Spielordnung ändern. Ab sofort sind Spielerinnen aus EU-Ländern oder aus mit der EU assoziierten Staaten unter bestimmten Voraussetzungen deutschen Spielerinnen gleichgestellt. Die Osnabrücker Girolive-Panthers stehen dieser Entwicklung kritisch gegenüber.

Nach der bisherigen „Deutschenregelung“ mussten in der 2. Liga immer mindestens drei deutsche Spielerinnen auf dem Feld stehen. Da der entsprechende Paragraf nach Ansicht von Dirk Steidl, Chef von Grüner Stern Keltern, nicht europäischem Recht entspricht, ist er juristisch dagegen vorgegangen und hatte Erfolg.

Künftig genügt es, wenn mindestens drei Spielerinnen aus einem EU-Mitgliedsstaat oder einem EU-assoziierten Land auf dem Feld stehen. Allerdings müssen diese Spielerinnen seit dem 1. Januar 2013 ununterbrochen in Deutschland leben und spätestens seit dem 1. September 2014 einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag als Berufsspielerin bei ihrem Verein haben.

Anlass des Vorstoßes war der Fall von Steidls Frau Marina. Die Serbin steht bei Keltern unter Vertrag, kam aufgrund der großen ausländischen Konkurrenz im Team aber nur selten zum Einsatz.

Bereits 2012 hatte Steidl seine Skepsis gegenüber der Deutschenregelung zum Ausdruck gebracht. Von Verbandsseite sei ihm jedoch mitgeteilt worden, dass der Paragraf geltendem Recht entspreche. Vor der laufenden Saison hatte er festgestellt, dass in der Regionalliga-Satzung das EU-Recht voll umgesetzt ist. „Hier dürfen fünf Europäerinnen gleichzeitig spielen, ohne dass eine Deutsche auf dem Platz stehen muss.“ Danach wandte er sich erneut an den Verband, der die Spielordnung vorläufig änderte. Nach der Saison wird diese Übergangsregelung jedoch neu verhandelt. Die Liga arbeitet an einem Kompromiss, der auch die erste Liga betreffen wird.

Auf den Osnabrücker Zweitligisten Girolive-Panthers haben die Änderungen keine Auswirkung, wie Trainer Christian Kaiser erklärt: „Da mit Alysa Horn und Angela Pace ohnehin nur zwei Ausländerinnen in unserem Kader stehen, sind wir davon nicht betroffen.“

Kaiser befürchtet, dass eine entsprechende dauerhafte Regelung dem deutschen Damen-Basketball schaden würde. „Vereine könnten in Zukunft ihre Nachwuchsarbeit vernachlässigen und auf günstige Spielerinnen aus dem Ausland setzen“, sagt der Trainer und fügt an: „Das wäre auch für die Entwicklung der Nationalmannschaft das falsche Signal.“

Was rechtliche Fragen anbelangt, verweist der Coach auf die 6+6-Regel in der Herren-Bundesliga, nach welcher mindestens sechs Spieler des Aufgebots aus Deutschland stammen müssen. „Es gibt also Möglichkeiten, trotz des EU-Rechts deutsche Spielerinnen zu schützen.“