Zum Saisonstart gibt sich der Rekordmeister selbstbewusst – Liga setzt mehr Geld um Kiel will ganz oben angreifen

Von Erik Eggers | 01.09.2011, 15:03 Uhr

Satte sieben Punkte lag der THW Kiel in der letzten Saison hinter dem HSV Hamburg, doch am Selbstbewusstsein der „Zebras“ hat das nach Lage der Dinge nicht gezehrt. „Wir wollen wieder ganz oben angreifen“, sagt THW-Linksaußen Dominik Klein vor dem Auftakt in die 35. Saison der Handball-Bundesliga. „Welche anderen Mannschaften noch für die Meisterschaft infrage kommen, damit beschäftigen wir uns nicht.“

Freilich muss sich der Rekordmeister (16 Titel) gleich am ersten Spieltag im ewigen Nordderby mit der wiedererstarkten SG Flensburg-Handewitt (Sonntag, 17.30 Uhr, Sport 1) messen.

THW-Trainer Alfred Gislason hat enormen Respekt vor den Flensburgern. „Die SG kann wieder eine sehr gute Rolle in der Bundesliga spielen“, glaubt der Isländer. Zumal die sich mit zwei Halbspielern internationalen Formats verstärkt hat: Die Nationalspieler Lars Kaufmann und Holger Glandorf sind wichtige Elemente des auf flüssigen Kombinationen beruhenden skandinavischen Stils, den Trainer Ljubomir Vranjes pflegt. SG-Geschäftsführer Holger Kaiser rühmt das Talent des schwedischen Coaches, der schon von einer Wiederholung der Meisterschaft von 2004 träumt: „In vier bis fünf Jahren wollen wir wieder Deutscher Meister werden“, erklärt Vranjes.

Zweiter Topfavorit neben dem THW Kiel ist Meister HSV Hamburg. Wie die Kieler haben die Hanseaten ihren Kader nur minimal verändert: Keeper Dan Beutler (Flensburg) kam für Per Sandström (nach Melsungen) und bildet nun mit Johannes Bitter das laut Trainer Per Carlén „beste Torwart-Duo der Bundesliga“. Oscar Carlén (Flensburg) ersetzt den Rückraum-Linkshänder Krzysztof Lijewski (Rhein Neckar-Löwen). Zu den spannendsten Fragen zählt, ob der neue Coach Carlén mit dem Star-Ensemble in kritischen Lagen klarkommt; viele Experten trauen dem Schweden dies nicht zu. Laut Nationalspieler Pascal Hens ist die Gier der Hanseaten jedenfalls noch nicht gestillt: „Wir sind immer noch hungrig auf Titel.“

Gislason rechnet zudem weiterhin stark mit den Rhein-Neckar-Löwen, obwohl diese mit Olafur Stefansson (Kopenhagen) ihre Führungsfigur verloren haben. „Trotzdem werden die Löwen wieder eine Rolle spielen“, sagt Gislason. Der Vorjahresdritte Füchse Berlin als letzter Mitfavorit hat sich spektakulär verstärkt. Der spanische Weltmeister von 2005, Iker Romero, kam aus Barcelona, der Kreisläufer Jewgeni Pewnow aus Friesenheim. „Wir wollen einen Platz unter den ersten sechs“, stapelt Trainer Dagur Sigurdsson tief. Während Topklubs wie Kiel und der HSV über einen Etat von rund zehn Millionen Euro verfügen, zählen die beiden Aufsteiger Eintracht Hildesheim und der TV Hüttenberg mit jeweils einer Million Euro zu den Armenhäusern der Liga. Der Etat aller Bundesligaklubs ist nach Liga-Angaben wieder etwas gestiegen, auf rund 73,65 Millionen Euro. Wichtiger als diese Kennzahlen aber ist Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann, dass die Bundesliga in diesem Jahr mal von den schon fast obligatorischen Schlagzeilen aufgrund von Insolvenzen verschont bleibt. Die Liga sei „gesund“, sagte Bohmann. „Im Rahmen unseres kontinuierlichen Lizenzierungsprozesses haben wir da einen noch viel tieferen Einblick als vorher.“ Wäre schön, wenn mal wieder der Sport über den Abstieg entscheidet.