Yucci, Foodporn, Thermomix Szene-ABC: Was 2015 angesagt war

Von dpa | 10.12.2015, 07:23 Uhr

Böhmermann, Ghosting, Thermomix und Yucci: Eine Auswahl von Pähomenen und Trends, die 2015 (angeblich) angesagt waren. Von A bis Z.

 A wie Apple Watch: Am Anfang war viel Werbung und Tamtam - das angeblich persönlichste Gerät von Apple. Vielleicht ist es aber zunächst doch nur eine Uhr mit Plastikarmband, vom Design her fast Billig-Look.

 B wie Binge-Watching: Binge-Watching (viele Folgen am Stück gucken) ist bei US-Serien längst angesagt. 2015 fiel auf, dass auch große deutsche Sender das Verhalten den Zuschauern nahelegen (etwa bei „Weissensee“).

 C wie Ceviche: In-Food. Peru-/Lateinamerika-Fans schätzen es längst. Als Gastro-Trend in Europa und Deutschland eher neu. Bei dem Verfahren werden Fisch und Meeresfrüchte mit Limettensäure quasi gegart.

 D wie Dadbod: Was Normcore 2014 war (Hype um den Normalo-Look), war 2015 die Diskussion um den Dadbod (Vaterkörper, Papa-Plauze). Auch Hollywood-Stars zeigten ihr Bäuchlein am Strand. Ausgangspunkt: der Artikel einer US-Studentin („Why Girls Love The Dad Bod“).

 E wie Eckestehen: Cornern - cooleres Wort für Abhängen mit Freunden und Bekannten an der Straßenecke (engl.: street corner). Das Bier aufm Bürgersteig machte im heißen Sommer sogar Clubs und Bars Konkurrenz.

 F wie Foodporn: Mancher sagte, Instagram sei schon wieder out, bei vielen kam das Foto-Netzwerk aber erst 2015 an - und damit Hashtags wie #Foodporn (leckeres Essen) oder #Earthporn (schöne Landschaftsbilder).

 G wie Ghosting: In diesem Jahr populär gewordenes Wort aus Amerika fürs Schlussmachen ohne jegliche Erklärung. Wenn sich der Partner in Luft aufzulösen scheint und nicht mehr meldet und reagiert. Es wirkt so, als hätte man mit einem Gespenst oder Geist (ghost) zu tun gehabt.

 H wie Half-Bun: Der letztes Jahr so gehypte Dutt wurde dieses Jahr vom „Half-Bun“ (funktioniert wie das Original - nur dass die meisten Haare noch offen nach unten hängen) eingeholt.

 I wie Identität: Der 90er-Begriff Unisex ist out, jetzt ist aber von Genderbending die Rede (also: das (andere) soziale Geschlecht äußerlich übernehmen). In In-Vierteln und Clubs sah man Männer in Spitzen- und Schluppenblusen (nicht mehr nur Frauen in Männerhemden).

 J wie Jan Böhmermann: Das TV der Jungen ist ja angeblich YouTube, doch Jan Böhmermann macht sein Ding multimedial in Netz und Fernsehen (seit 2015 läuft sein „Neo Magazin Royale“ sogar im ZDF-Hauptprogramm).

 K wie Kaffee: Bleibt immer angesagt, ist aber eben nicht immer ein Heißgetränk. 2015 wurde „Cold Brew“ zum größeren Thema. Das ist kein kalt gewordener Kaffee, sondern aufwendig mit kaltem Wasser aufgesetzter Kaffee, der stundenlang im Kühlschrank zieht.

 L wie Like mich am Arsch: So fasste die Band Deichkind den Überdruss an Facebook in einem Lied zusammen. Deutschsprachig überraschend waren im Pop auch Sarah Conor („Muttersprache“), das Musikerinnen-Duo Schnipo Schranke („Pisse“) oder Joris („Herz über Kopf“).

 M wie Mansplaining: Von „Man“ (Mann) und „explaining“ (erklären) - neues Wort im deutschen Feuilleton, im Zusammenhang mit einem Buch der feministischen, amerikanischen Denkerin Rebecca Solnit. Phänomen dahinter: wenn Männern Frauen besserwisserisch die Welt erklären.

 N wie Namen: Nach den Bestsellern „Schantall, tu ma die Omma winken!“ und „Schantall, tu ma die Omma Prost sagen!“ wurde Vornamen-Bashing jetzt langsam mal out. „Alpha-Kevin“ (Dümmster von allen) wurde beim Online-Voting zum „Jugendwort des Jahres“ disqualifiziert, um keinen zu diskriminieren. Sieger wurde dann - nach „Läuft bei dir“ (2014) - das kaum geläufige „Smombie“ (Smartphone-Zombie).

 O wie Omahaar: Als „Granny Hair“ wird es bezeichnet, wenn die Haare silbern wie bei Oma sind: Lady Gaga, Rihanna und Kelly Osbourne machten diesen Trend mit. Beim Friseur sitzt man dafür stundenlang. Es ist wie beim Männerdutt: Nicht jeder findet es schön.

 P wie Paleo/Paläo: Essen, das schon in der Steinzeit da war: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Beeren, Gemüse, Pilze, Nüsse und Honig. Alles, was durch Ackerbau und Viehzucht dazukam, lässt man weg.

 Q wie Quantified Self: Der Mensch wird maschinistisch. Viele finden es toll, Körperwerte in Einzeldaten zu zerlegen und per App anzeigen zu lassen. Die Datensammelei bei Sport oder sogar Schlaf ist Megatrend.

 R wie „Generation R“: Nach „Generation X“ und „Generation Y“ kommt jetzt angeblich die „Generation R“ der Relaxten, die der Jugendforscher Klaus Hurrelmann ausrief. Leute mit weniger Druck, die wieder mehr Zeit hätten, übers Leben und die Gesellschaft nachzudenken.

 S wie Selfiestangen: Selfie-Sticks waren die Peinlichkeit des Jahres - die Stangen, die als eine Art verlängerter Arm bei Handy-Selbstporträts dienen. Sie waren 2015 in immer mehr Museen oder Parks unerwünscht.

 T wie Thermomix: Der kochende Mixer wurde 2015 zum großen Thema für Hobbyköche und Medien. Discounter versuchten sich an Klonen der recht teuren Vorwerk-Küchenmaschine (etwa 1000 Euro), die wiegen, kochen, garen, Teig kneten oder auch Eis machen kann.

 U wie Urban Beekeeping: Nach dem „Urban Gardening“, also dem Gärtnern in der Stadt, schien nun plötzlich das Imkern in der Stadt, also das „Urban Beekeeping“, zu boomen.

 V wie Victoria: Im Kino war 2015 wenig innovativ - „Victoria“, der komplett schnittfreie Berlin-Echtzeitthriller war es aber. Zuletzt war als deutscher Film vielleicht „Lola rennt“ (1998) so atemberaubend.

 W wie Wurst: Der Fleischfrei-Trend ging trotz Steinzeit-Paläo-Hype weiter. In Supermärkten schien Veggie-Wurst zur Massenware zu werden - etwa sogenannter Vegetarischer Schinken-Spicker einer Fleischfabrik. Auch der Fleischersatz Quorn schien plötzlich überall erhältlich.

 X wie X-Roll: Auch als Blackroll bekannte Rolle, die zum Lockern nach dem Training benutzt wird. Soll viele Muskeln ansprechen und die Faszien - Bindegewebe um die Muskeln - stimulieren. Faszientraining war 2015 der letzte Fitness-Schrei. Soll straffen und Schmerzen beseitigen.

 Y wie Yucci: Vielleicht auch nur eine weitere Begriffstotgeburt, soll aber als Wort den reicheren Posthipster beschreiben: „Young Urban Creative“ - Menschen mit den Insignien des Hipsters (Schnurrbart, Wohnung im In-Viertel), aber mit mehr Geld.

 Z wie Zahlen: Nach Zahlen malen, Mandala-Malen, Malbücher - der Trend zum Ausmalen galt dieses Jahr vielleicht als farbenfroher Protest gegen Selbstoptimierung und Smartphone-Stress. Star der Ausmal-Szene ist die schottische Illustratorin Johanna Basford („Enchanted Forest“).