Wirtschaftssimulation Planspiel des Bramscher Gymnasiums: Geschönte Bilanzen und Einblicke in den „brutalsten Kapitalismus“

Von Henning Stricker | 14.09.2011, 12:54 Uhr

hst Neuenkirchen/Bramsche. 18 Schüler der Oberstufe des Bramscher Greselius-Gymnasiums haben am Management Information Game (MIG) des Industriellen Arbeitgeberverbandes Osnabrück-Emsland teilgenommen.

Beim MIG handelt es sich um ein in der Schweiz entwickeltes Planspiel, in dessen Rahmen die Teilnehmer mit den vielfältigen und komplexen wirtschaftlichen Wechselwirkungen vertraut gemacht werden sollen. Für eine Woche tauschten die Jugendlichen die Schule gegen Vorstandsposten in drei fiktiven konkurrierenden Aktiengesellschaften.

In dem fünftägigen Seminar war den Schülern zur Aufgabe gestellt worden, einen hochwertigen elektronischen Organizer zu entwickeln. Vorgabe war eine innovative Gestaltung des Geräts, das um Zusatzfunktionen erweitert werden durfte. Festgelegt war der spätere Einkaufspreis für den Zwischenhändler.

Mit gleichen Voraussetzungen hinsichtlich der Mitarbeiterzahl und der Finanzmittel mussten die Schüler Entscheidungen über Art und Umfang der Produktion, Forschungsaufwendungen und Investitionen treffen und ihre Planungen und Kapazitäten an Veränderungen während des Spiels anpassen. Auch die Höhe der gezahlten Arbeitsentgelte sowie die Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter spielten eine wesentliche Rolle.

Die Entscheidungen der Spielgruppen wurden im Anschluss an jede Spielrunde, die ein Geschäftsjahr darstellte, durch Spielleiter Wolf Hartmann-Riebe in einen Computer eingegeben und durch ein Simulationsmodell ausgewertet. Die Ergebnisse wurden dann für jedes Unternehmen in einem Markt- und Geschäftsbericht ausgedruckt.

„In einem Fall mussten auch Sozialpläne aufgestellt werden“, sagt Spielleiter Hartmann-Riebe. Außerdem musste er in einem Fall die Bilanz einer Spielgruppe schönen: Die Schüler hatten versehentlich eine falsche Zahl in die EDV eingetragen, sodass das Unternehmen nach einem fiktiven Geschäftsjahr in die roten Zahlen gerutscht war. Hier fungierte Hartmann-Riebe als „Bilanzfälscher“ und zog der fiktiven Firma als Sanktion für den notwendig gewordenen Eingriff einen nicht gerade geringen Geldbetrag ab. Nachdem er den Schülern den Fehler gezeigt hatte, teilte er ihnen aber auch gleich mit, dass diesen „Job“ ein Unternehmensberater legal und zudem preiswerter erledigt hätte.

Am Abend des vierten Spieltages ging es für die Schüler dann ums Überleben ihrer Aktiengesellschaft. Vor einer Gruppe von „Einkäufern“ – einer Jury aus unabhängigen und sehr kritischen Unternehmern der örtlichen Wirtschaft – mussten die Schüler das von ihnen entwickelte Gerät präsentieren und vermarkten. Die Gruppe, die sich hier am besten „verkaufte“ und nach der geheimen Abstimmung die meisten Jurystimmen sammeln konnte, hatte letztendlich auch den Auftrag für ihr Produkt sicher. Ein positiver Nebeneffekt dieses Abends war, dass die Schüler schon Kontakte zu den vielen örtlichen Unternehmen knüpfen konnten, die das Planspiel unterstützten.

Als Sieger der Wirtschaftssimulation ging das Team der „Novatec AG“ aus dem Wettbewerb hervor. Aber auch die Spielgruppen der „Swag AG“ und der „TapeTec AG“ zeigten gute Präsentationen. Ein Gewinn dürfte es jedoch für alle Teilnehmer gewesen sein, auch wenn Schüler Lennart Kolkmann von einem Einblick in den „brutalsten Kapitalismus“ sprach. Die Erfahrung aus dem Planspiel hätten die Schüler in dieser Intensität nicht in der Schule lernen können.