Wieder kein rotes Licht Biedermann auch über 200 Meter Freistil ohne Medaille – „Akzeptiere das Ergebnis“

30.07.2012, 21:07 Uhr

Der Blick ging sofort nach oben. Direkt unter dem Startblock hängt eine elektronische Anzeige. Sie ist verbunden mit der Zeitmessung. Schafft es ein Schwimmer in seinem Lauf unter die ersten drei, leuchtete sie rot auf. Paul Biedermann schaute, aber ein rotes Licht sah er nicht.

Neben ihm, ja da leuchtete es hell. Yannick Agnel war dort unterwegs gewesen, der Franzose. Er wurde Erster. 1:43:14 war Agnel geschwommen. Den zweiten Platz teilten sich der Koreaner Taehwan Park und der Chinese Yang Sun (1:44:92).

Biedermann wurde Fünfter, hinter Ryan Lochte. Olympia „rocken“ wolle er, hatte der Amerikaner angekündigt. Er war zu langsam, Biedermann auch.

1:45:53 Minuten brauchte der Deutsche, um die 200 Meter zu absolvieren, die Königsdisziplin im Schwimmen. 2009 war es das Reich des Paul Biedermann, da wurde er Weltmeister über 400 Meter und die 200, da schwamm er Weltrekord in 1:42:00 Minuten. 2012 war er noch kein einziges Mal so schnell geschwommen, wie am Montagabend im Finale - das ist weit von seinem Bestwert entfernt, das war 2:39 Sekunden langsamer als Goldgewinner Agnel.

Auch das sah er noch im Wasser. Nachdem er seinem Nebenmann zum Olympia-Sieg gratuliert hatte, tauchte sich der 25-Jährige durch drei Leinen hindurch zum Beckenrand. Dann wandte er den Blick noch einmal zur Anzeigetafel, ehe er sich aus dem Becken hievte. Was er darauf sah, passte ihm gar nicht.

Wieder an Land, zog er sich Badekappe und Brille vom Kopf und strich sich mehrfach über das gebeugte Haupt. „Für den Moment akzeptiere ich das Ergebnis“, sagte er kurz darauf: „Unzufrieden bin ich eigentlich nur mit der Zeit“.

Platz fünf war leichter zu verkraften als das Aus im Vorlauf am Samstag über die 400-Meter-Freistil. Da war er richtig baden gegangen, hatte sich verpokert, weil er Kräfte schonen wollte.

Dort wäre es vermutlich einfacher gewesen, den Traum von einer Olympia-Medaille zu verwirklichen, dort ist die Weltspitze nicht so eng zusammen, wie über die halbe Distanz. „Das Rennen war ein echter Hochkaräter und sicher schön anzuschauen“, sagte Biedermann und fügte an: „Man muss den Hut vor dem Sieger ziehen, er ist fantastisch geschwommen und über sich hinausgewachsen. Das ist mir in diesem Maße nicht gelungen.“

Die Hoffnungen der deutschen Mannschaft, das Desaster noch abzuwenden,, konzentrieren sich nun wieder auf Britta Steffen und die Staffeln. Heute geht Biedermann mit der 4x200-Meter-Staffel noch einmal an den Start. Es ist seine letze Chance, in Englands Metropole endlich einmal rotes Licht zu sehen.