Vermischtes Zimmer frei im Apfelbaum

10.07.2009, 22:00 Uhr

Für die Aufzucht kleiner Steinkäuze ist die Wiese von Beatrix und Uwe Stolpmann ideal. Die Schafe halten sie kurz. So können die Käuze Mäuse, ihre liebste Beute, gut sehen. Doch die kleinen Greifvögel goutieren auch Insekten wie Regenwürmer oder fette Käfer. Ein dichter Wald liegt zum Glück nicht neben dem Nistbaum, denn dort leben die Waldkäuze, und die verspeisen zum Abendbrot auch gerne einmal einen kleinen Steinkauz.

Der Vogel hat eine ruhmreiche Vergangenheit. Als Lieblingsvogel der Göttin der Weisheit war er Athens Wappentier und zierte silberne Drachmenmünzen. Seine Zukunft schaut weniger rosig aus. Der Steinkauz steht auf der Liste der bedrohten Arten. Darum stellt der Naturschutzbund Gartenbesitzern Nistkästen für die kleine Eule zur Verfügung. Familie Stolpmann in Strang freut sich jeden Tag über ihre beiden Brutplätze.

„Von der Küche aus kann ich die Steinkäuze und ihre Jungen beobachten“, erzählt Beatrix Stolpmann. Sie und ihr Mann haben im März vergangenen Jahres zwei der etwa einen Meter langen und 20 mal 20 Zentimeter großen Kästen aufgehängt. Jetzt wachsen hier drei kleine Steinkäuze auf. Sie erkunden ihre Welt, krabbeln ihren Nistbaum herauf und tapsen über die Schafwiese.

Ein Artikel in dieser Zeitung bewegte Beatrix Stolpmann im März vergangenen Jahres dazu, sich an den Naturschutzbund zu wenden. Zwei Kästen wurden in ihren Obstbäumen angebracht, einer für die Aufzucht, einer als Depot für die Beute.

Mit einer Infrarotkamera schaut Alfons Heuger von den Naturfreunden Glandorf den Käuzen regelmäßig in die Kinderstube. Doch jetzt sind die drei Küken schon so mobil, dass der Nistkasten verwaist ist.

Ab Mitte April legt das Steinkauzweibchen drei bis sechs weiße Eier in die Nisthöhle. Nach etwa einem Monat schlüpfen die Jungen, die von ihren Eltern unermüdlich gefüttert werden. Nach fünf bis sechs Wochen verlassen die Küken dann ihr Nest und klettern am Brutbaum herum. Sie werden von ihren Eltern aber so lange versorgt, bis sie flügge sind.

Wer meint, vielleicht auch einen Steinkauz im Garten zu haben: Er hat einen breiten und runden Kopf, auffallend schwefelgelbe Augen und einen braunen, weiß gesprenkelten Rücken. Maximal 200 Gramm wiegt der kleine Greifvogel. Steinkauzpaare sind sich und ihrem Revier übrigens treu, wenn es geht ein Leben lang.

Der Naturschutzbund hat noch Kästen frei. Interessenten können sich an Karsten Mosebach wenden. Er hängt die Kästen in Bad Laer, Dissen, Hilter und Bad Rothenfelde in geeigneten Bäumen auf.

25 Kästen hat er im vergangenen Jahr installiert. Viele von ihnen haben bereits neue tierische Mieter gefunden. Mit dieser Aktion möchte der NABU den Steinkauz-Bestand stabilisieren. Bis 1960 gehörte der kleine Greifvogel noch zu den weit verbreiteten Brutvogelarten. Seither zählen die Naturschützer einen Rückgang der Steinkäuze – bis hin zum völligen Aussterben in manchen Regionen.