Vermischtes „Wir verbrennen die Zukunft unserer Kinder“

24.07.2009, 22:00 Uhr

Für Franz Alt liegt die Rechnung auf der Hand: „Jedes neue Kohlekraftwerk verhindert Investitionen in erneuerbare Energien.“ Der Publizist und Fernsehjournalist warnt: „Wir verbrennen durch die fortschreitende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen die Zukunft unserer Kinder.“

Mit stehenden Ovationen feiern die meisten der über 300 Teilnehmer des Vortrags-abends in Sögel die Ausführungen von Alt, der auf Einladung der Bürgerinitiative (BI) Saubere Energie zum Thema „Sonne, Wind und Biomasse statt Kohl, Öl und Gas“ spricht. Denn der 71-Jährige gießt reichlich Wasser auf die Mühlen der Gegner des geplanten Kohlekraftwerks in Dörpen. Bundesweit hätten Bürger in jüngster Zeit bereits sechs Vorhaben zur Errichtung neuer Kohlekraftwerke gekippt. Auch in Dörpen könne der Widerstand zum Erfolg führen, macht Alt den Kraftwerksgegnern Mut.

Schließlich hätten sie die besseren Argumente nicht nur in Bezug auf den Klimaschutz, sondern ebenfalls bei der Schaffung von Arbeitsplätzen. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Sektor der erneuerbaren Energien seien der „Arbeitsplatzknüller“ und die Verhinderung herkömmlicher Techniken keineswegs der „Arbeitsplatzkiller“, ruft Alt den Zuhörern mit Verweis auf die hohen Zuwachsraten in der Branche der regenerativen Energien zu.

Das „Aufwachen“ sei inzwischen weltweit erfolgt. Die Europäische Kommission beispielsweise habe als Zielvorgabe für das Jahr 2050 vorgegeben, dass EU-weit die Energieerzeugung zu 95 Prozent aus regenerativen Quellen resultieren solle. Dem Solarbereich komme mit 40 Prozent der höchste Anteil zu. Es folgten Biomasse (30 Prozent), Wind (15) und Wasser (10). Lediglich fünf Prozent würden noch dem Erdöl zugerechnet. Einher gehe das Programm auch mit einem deutlichen Ausschöpfen von Einsparpotenzialen, der Verbesserung von Wirkungsgraden bei der Energienutzung sowie einer Solararchitektur.

Alt plädiert dafür, unmittelbar die EU-Zielvorstellung anzugehen: „Warum sollen wir beispielsweise durch neue Kohlekraftwerke vorher noch alles kaputt machen, wenn wir doch sowieso umstellen?“ Den Befürwortern eines Mix von Atom, Kohle und erneuerbaren Energien hält er ein Modell rein aus einer Kombination regenerativer Energien entgegen. Ein Verbundsystem aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse könne auch heute schon die Versorgung sicherstellen. Von dieser Warte aus betrachtet, sei das geplante Kohlekraftwerk in Dörpen eine „Fehlinvestition für 30 Jahre“ und die BI mit ihrem Widerstand gegen das Projekt „eindeutig auf der Siegerstraße“, stellt der Publizist unter dem Beifall seiner Zuhörer fest.

Im weiteren Verlauf seines Vortrags untermauert Franz Alt, dass er der Nutzung der Solarenergie eine zentrale Rolle bei der Lösung der Energieversorgung der Menschheit beimesse: „Die Sonne und ihre Geschwisterenergien Wind und Wasser bieten die Lösung für alle Fragen der Energiegewinnung auf der Welt.“ Diese „Urkraft“ böte 15000-mal mehr Energie an, als die Menschen derzeit verbrauchen würden. So apostrophiert Alt denn auch, dieses „Geschenk des Himmels“ durch den Ausbau von Sonnenkollektoren und Fotovoltaikanlagen im industriellen wie im privaten Bereich intensiv zu nutzen. Und er hat dazu auch eine griffige Formel parat: „Lieber eine Solaranlage auf dem Dach als Aktien im Keller.“