Vermischtes „Wir kochen garantiert keine Hunde“

27.08.2009, 22:00 Uhr

Wenn diese Zeilen gedruckt und zu lesen sind, ist er schon nicht mehr da: Sebastian Werbing hat sieben Jahre lang in der Kaffeemühle gekocht, jetzt ist er auf neuen Wegen unterwegs, und zwar nach Fernost.

„Das ergab sich ziemlich kurzfristig“, strahlt der 30-Jährige, der sich auf den letzten Drücker mit dem Wittlager Kreisblatt in seiner alten Arbeitsstätte am Bad Essener Kirchplatz getroffen hat.

Auf einer Party hat er sich mit einem Freund unterhalten, der ihn gerne für sein Hotel in Frankfurt am Main eingestellt hätte. Aber nicht irgendein Hotel: Kempinski, der Name ist verknüpft mit deutscher Hoteltradition.

10000 junge Leute, die das Gastronomiegewerbe erlernen wollen, bewerben sich jährlich auf die etwa 130 Stellen, heißt es aus der dafür zuständigen Abteilung der Kempinskikette in München.

Nach Frankfurt wollte Werbing aber nicht, und so wurde es das Kempinski-Hotel in Suzhou, etwa 80 Kilometer von der Megastadt Schanghai entfernt.

„Kempinski ist die älteste Hotelkette der Welt, da gehört das Adlon in Berlin dazu oder die Vier Jahreszeiten in München“, ist Sebastian schon ein bisschen stolz.

Aber mindestens genauso gespannt. In China war er nämlich noch nie.

Internationale Luft schnupperte er hingegen bereits während eines College-Jahres in den USA: „Ich war mit dem AFS unterwegs, das ist eine Organisation, die weltweit den Austausch Jugendlicher organisiert“, schildert der Koch, der sein Abitur am Gymnasium in Bad Essen gemacht hat.

Seine Eltern waren von dem Austausch ebenso begeistert und stellten sich als Gastfamilie zur Verfügung. Fast jährlich wohnen jetzt junge Menschen aus aller Welt bei Renate und Wolfgang Werbing in Wittlage. „AFS bedeutet American Field Service, das entstammt dem Ersten Weltkrieg. Da hat die AFS Verwundete von den Kriegsfeldern betreut, egal, welcher Nationalität sie angehörten“, erklärt Sebastian. Durch seinen ehemaligen Gastbruder Wing aus Hongkong hat er einige Einblicke in die asiatische Kultur bekommen: „Wing ist zu Anfang immer mit sehr kleinen Schritten gelaufen und hat alle Dinge mit beiden Händen überreicht. Das ist einfach ein Zeichen von Respekt und Ehrerbietung für sein Gegenüber“, schildert der Koch, der in der Kaffeemühle mitten in Bad Essen ausgebildet wurde.

In Suzhou, das eingebettet zwischen zwei Seen und einem 27-Loch-Golfplatz liegt, ist Sebastian Werbing als stellvertretender Küchenleiter für ausgesuchte Speisen der deutschen Küche zuständig.

Und bevor die Frage überhaupt gestellt ist, antwortet er mit einem breiten Grinsen: „Nein, wir kochen garantiert keine Hunde!“