Vermischtes Windenergie bringt frischen Wind in Hafenumschlag

05.12.2002, 23:00 Uhr

Papenburger, die zur Seeschleuse fahren, wundern sich über das Firmenschild ,,BERA", das seit kurzem den Eingangsbereich der in Konkurs gegangenen Firma Ostermann & Scheiwe (Osmo) schmückt. ,,Bau und Entwicklung regenerativer Anlagen" (BERA) ist ein Unternehmen, das der Leeraner Reeder Rolf Briese zusammen mit zwei Partnerfirmen (,,Ems Shipping & Trading" aus Leer bzw. Freese aus Aurich) gegründet hat, um Komponenten für den Bau von großen Windrädern zu montieren, zu lagern und zu verschiffen.

Die ersten zehn Mitarbeiter sind inzwischen eingestellt. Wenn alles, wie vorgesehen klappt, dann werden in nächster Zeit weitere Arbeitskräfte benötigt. ,,Bis zu 150 könnten es werden", schätzt Rolf Briese, der in der Schifffahrt aufgewachsen ist und sich in jüngster Zeit sehr intensiv mit dem Bau von Offshore - Windanlagen in der Nordsee (Höhe 112 Meter) beschäftigt. Auch hier hat sich der 58jährige mit der EWE, der Firma Boyen & Dohlen und Prokon Nord im letzten Jahr starke Partner gesucht und gefunden, mit denen er Fundamente für die ganz großen Windkonverter auf dem Meeresgrund entwickelt und baut.

Wenn beispielsweise für den Windpark Borkum West im Jahre 2004 der Startschuss fällt, dann wird die ,,Offshore Wind Technologie GmbH" (OWT) im ersten Bauabschnitt zwölf, in zweiten Bauabschnitt 200 Fundamente ( 700 bis 1 000 Tonnen je Fundament) für dieses Projekt liefern. Rund 200 000 Tonnen Stahl müssen für diesen Auftrag verarbeitet werden, weit mehr, als beispielsweise die Meyer - Werft für ihre Schiffe benötigt. Rolf Briese hofft, dass er die Stahlkomponenten, Flügel und andere Bauteile weitgehend auf dem rund 17 Hektar großen Areal von Ostermann & Scheiwe fertigen, zusammenbauen und lagern kann. Die in Leer ansässige ,,Briese Schiffahrts GmbH & Co. KG" wird die Fundamente mit Spezialschiffen zu ihrem Bestimmungsort bringen.

Rolf Briese stammt gebürtig aus Ditzum. Nach dem Abitur fuhr er zunächst auf dem Schiff seines Vaters, bevor er dann das Kapitänspatent erwarb, noch Schiffbau studierte, als Ingenieur wichtige Erfahrungen sammelte und danach sein Wissen als Professor an der Seefahrtschule in Leer weiter gab. 1983 gründete er sein eigenes Unternehmen in Leer, wo heute 46 Mitarbeiter 64 eigene Schiffe ,,steuern" und täglich bis zu 2 000 Anfragen und Aufträge bearbeiten. ,,Wir bieten gesamtlogistische Konzepte an", setzt Briese auf ein umfassendes Angebot, das weltweit immer mehr nachgefragt wird.

Rund ein Viertel aller Spezialtransporte wird inzwischen rund um den Globus von seinen ,,Mehrzweckschiffen" ausgeführt. Briese ist in vielen großen Häfen präsent, genau wie auch andere Leeraner Reedereien, die mit rund 500 Mitarbeitern allein von Leer aus insgesamt 260 Schiffe betreuen. Welche Bedeutung die Schifffahrt in unserer Nachbarstadt hat, geht u.a. auch daraus hervor, dass Reedereien in Leer zur Zeit über 20 neue Schiffe bauen lassen.

Die Windenergie bietet nach Meinung von Rolf Briese eine gute Chance für einen weitere Entwicklung der Häfen an der Ems. Mit dem Gelände von Ostermann & Scheiwe, wo Briese durchaus noch weitere Firmen - möglichst aus der Branche - ansiedeln will, ist ein idealer Standort gefunden worden. Ein Großteil der Hallen kann für Montage bzw. Lagerung optimal genutzt werden.

Briese prüft u.a. auch die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit anderen Firmen im Hafenbereich. Es gebe beispielsweise Schweißarbeiten bei der Erstellung der Fundamente, die BERA allein gar nicht bewältigen könne. "Im Papenburger Hafen sind sehr gute Voraussetzungen für weiteren Umschlag gegeben", hofft Rolf Briese auf einen guten Start . Sorge bereitet allerdings die Eisenbahnbrücke in Weener, die den Spezialschiffen der Leeraner Reederei den Weg in die Nordsee erschweren oder gar verbauen könnte.