Vermischtes Weniger Geld für Bücher?

03.12.2002, 23:00 Uhr

"Wir sind keine Freizeitpolitiker", sagte Ludwig Lanver (CDU) in der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses – und hatte vollkommen recht damit. Denn nach Freizeit und anderen Vergnüglichkeiten ist Kulturpolitikern in Osnabrück derzeit wirklich nicht zu Mute.

Dafür stehen jede Menge harte Sachentscheidungen an, die jeden, der sie trifft, schlecht aussehen lassen. Im Klartext: Aus dem Kulturbereich sind zwei Prozent bei den Sach- und ein Prozent bei den Personalausgaben herauszukürzen. Für die 96.735 Euro an Sachausgaben machte die Leiterin des Fachbereiches Kultur, Dagmar von Kathen, konkrete Vorschläge. "Aber woher die rund 79.000 Euro bei den Personalkosten kommen sollen, weiß ich nicht. Wir sind einfach am Anschlag", machte von Kathen deutlich.

Am Anschlag war es für Ludwig Lanver und seine Fraktionskollegen auch in Sachen Leseförderung. 11.800 Euro weniger für Buchkäufe der Stadtbibliothek? Das wollte Lanver auf keinen Fall durchgehen lassen. Seine Fraktion wolle Schwerpunkte setzen und fordere deshalb, die Mittel für Bücher zu belassen. An der Leseförderung – "Stichwort Pisa" – dürfe nicht geknapst werden. "Die Kürzungen geben uns auch die Möglichkeit, zu sagen, was wir wirklich für unverzichtbar halten", betonte der Kommunalpolitiker, bevor die Liste zur weiteren Bearbeitung zurück ging.

Einstweilen finden sich in dem Papier aber auch andere Posten, die nicht von Pappe sind. Fast 22.000 Euro weniger sollen für den Erhalt historischer Gebäude aufgewendet, 14.700 Euro an der Öffentlichkeitsarbeit für Kultur eingespart werden. Mit 8.700 Euro schlagen auch die Zuschüsse für "Open Strings" und die Videoinstallation im "Vertikalen Museum" zu Buche, auf die nach Anregung von Frau von Kathen künftig verzichtet werden könnte.

Dass die Gelder derzeit wirklich nicht mehr locker sitzen, machte auch die Diskussion um den Zuschuss der Stadt zu Park und Museum Kalkriese in Höhe von 79.250 Euro deutlich. Nicht ohne Grund lobte Christian Jaletzke, Geschäftsführer der Varus-Schlacht im Osnabrücker Land GmbH, die Kooperation zwischen Stadt und Landkreis in dieser Sache in höchsten Tönen. Sitz im Aufsichtsrat der GmbH für die Stadt? Überhaupt kein Problem, war jetzt zu hören.

Ludwig Lanver forderte für die CDU-Fraktion ein, dass dann auch eine "Schaufenster"-Präsentation des Museums in der Stadt eingerichtet werden müsse. Stellvertretend für alle Skeptiker betonte Jens Meier (Die Grünen), dass eine weitere Finanzierung Kalkrieses durch die Stadt nicht mehr einzusehen sei. Die Stadt solle sich angesichts leerer Kassen darauf konzentrieren, die Kultur vor Ort zu finanzieren. Entsprechende Einrichtungen der Stadt wie das Theater, die auch von Bürgern aus dem Umland genutzt würden, müssten ja auch allein aus kommunalen Mitteln erhalten werden. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung verständigte sich der Ausschuss allerdings darauf, die "Mitfinanzierung Kalkriese" weiterhin zu leisten. Jaletzke hatte zuvor darauf verwiesen, dass auch die Stadt von dem Besucherstrom des Museums profitiere. Maßnahmen des Marketings seien jedenfalls eng zu verzahnen.