Vermischtes Was wird aus dem Stadthafen?

31.07.2009, 22:00 Uhr

Die Wirtschaftskrise hat den Hafenumschlag im ersten Halbjahr einbrechen lassen. Zum Teil gingen die Mengen um 50 Prozent zurück, wie Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes auf Anfrage bestätigte.

Der Osnabrücker Hafen nimmt da keine Sonderstellung ein. Alle Seehäfen meldeten in dieser Woche Rückgänge in ähnlicher Größenordnung: Papenburg minus 59 Prozent, Emden minus 31 Prozent. Dennoch: Angesichts der Diskussion um die Zukunft des Stadthafens bekommt dieser Rückschlag eine besondere Note. Die Stadt lässt zurzeit eine Potenzialanalyse erstellen. Die Firma ISC-Baltic Consult GmbH in Lübeck hat den Auftrag, die Zukunftschancen des Hafens auszuloten. Die Kosten von 25000 Euro zahlen die Stadtwerke.

Treibende Kraft ist die städtische CDU. Burkhard Jasper und Josef Thöle halten es für fatal für den Wirtschaftsstandort Osnabrück, wenn weiter allein ein Ausbau des Hafens in Stirpe-Oelingen (Bohmte) in Betracht gezogen wird. Der Landkreis sieht dort das größere Entwicklungspotenzial und ist darin in einer gemeinsam mit den Stadtwerken in Auftrag gegebenen Studie bestärkt worden. Die neue Potenzialanalyse soll einen Kontrapunkt setzen und zeigen, ob und in welcher Form der Stadthafen zukunftsfähig gemacht werden kann. Die Experten sprechen mit den Hafenanrainern über deren Entwicklungsperspektiven und untersuchen die freien Flächen. Der Landkreis ist an dieser Studie nicht beteiligt.

Ein Drittel weniger

Im Vorjahr erreichte der Osnabrücker Hafen mit 1,24 Millionen Tonnen einen Höchststand. 665000 Tonnen wurden auf Schienen bewegt, 572000 Tonnen auf dem Wasserweg. Stephan Rolfes erwartet in diesem Jahr eine Gesamtmenge von vielleicht 800000 Tonnen – also ein Drittel weniger. Das Ziel ist nur zu erreichen, wenn die Konjunktur wieder etwas anzieht. Im ersten Halbjahr wurden 360000 Tonnen umgeschlagen.

Hauptnutzer des Hafens sind der Schrotthandel Rohstoff-Recycling RRO, die Papierfabrik Ahlstrom, die Piesberger Steinindustrie und der Mineralölhandel. RRO beliefert das Stahlwerk in Georgsmarienhütte und geriet direkt in den Sog der Wirtschaftskrise. Schon im Dezember 2008 brach der Schrottumsatz dramatisch ein, wie RRO-Geschäftsführer Dr. Knut Schemme sagt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres lag die Auslastung nach seinen Angaben bei nur 50 Prozent. Er ist aber guter Hoffnung, dass sich die Zahlen in der zweiten Jahreshälfte bessern und am Ende etwa 75 Prozent des Vorjahresvolumens erreicht werden. Für 2010 rechnet er mit einem Mengenumschlag „höher als 2009“. Was darüber hinaus geschehe, könne keiner vorhersagen. Nur so viel: Deutliche Mengensteigerungen über das Niveau von 2008 hinaus werde es so schnell wohl nicht geben.

Käme ein Umzug nach Bohmte infrage? Schemmes eindeutige Antwort: „Nein – es sei denn, jemand würde uns den Umzug bezahlen.“ Ein Standortwechsel würde eine zweistellige Millionensumme erfordern. Der Standort im Stadthafen biete sehr gute Bedingungen für Bahn, Lastwagen und Schiff. Für RRO bestehe überhaupt keine Notwendigkeit, über einen Umzug nachzudenken.

Die Kanal- und Schleusenkapazitäten reichten aus. Sicher wäre ein Ausbau der Schleusen wünschenswert, weil dann größere Schiffe einfahren könnten und die Transportkosten sänken. „Wir kommen mit den Gegebenheiten aber klar“, sagt Schemme.

Kaum Zuwachs

Größere Mengen-Zuwächse sind auch in den anderen Branchen nicht zu erwarten. Das in der Papierfabrik geplante Kraftwerk, das Ersatzbrennstoff (EBS) aus Müll verbrennen soll, wird den Hafenumschlag ebenfalls kaum befördern. Denn ein Teil des Brennstoffs würde aus der nahen Herhof-Anlage geholt, der andere Teil über Schiene und Straße rollen müssen.

Eine ganz andere Entwicklung hat der Hafen Münster genommen. Die denkmalgeschützten Speicher und moderne Neubauten sind Anziehungspunkt für Ateliers, Architekturbüros, Verlage, Szenetreffs und Gastronomie geworden. Auch das Wolfgang-Borchert-Theater und die städtische Ausstellungshalle Zeitgenössische Kunst sind hier angesiedelt.

Der Hafen brummt. Aber anders.