Vermischtes Videokonferenz in den Seminarraum

12.12.2002, 23:00 Uhr

Hinter der Tür zum Seminarraum 110 in der Katharinenstraße 3 verbirgt sich eigentlich ein ganz normaler Seminarraum. Eigentlich. Den kleinen Unterschied machen fest installierte kleine Kameras, diverse Mikrophone und zwei Beamer aus. Einmal pro Woche treffen sich hier die Teilnehmer des Virtuellen Softwareprojekts. Das Besondere: Der Dozent betreut seine Studenten in Osnabrück per Videokonferenz aus Oldenburg, die Daten laufen dabei über das Internet.

"Hallo, hier ist Osnabrück. Habt ihr Ton in Oldenburg?" Offensichtlich nicht: Dr. Jürgen Sauer und Ludger Bischofs haben es sich im Büro in Oldenburg bequem gemacht. Eine Kamera überträgt das Bild aus dem Dienstzimmer nach Osnabrück, zwei Kameras in dem Seminarraum sorgen dafür, das Dr. Sauer die fünf Studenten im Auge behalten kann. In Osnabrück werden die Videobilder aus Oldenburg mit einem Beamer an die Wand geworfen. Über einen zweiten Kanal werden weitere Daten übertragen. Ein zweiter Beamer wirft die Texte und Grafiken gestochen scharf an die Wand. Der Ton ist inzwischen auch eingeregelt, das wöchentliche Tutorium kann beginnen.

Die Studenten sollen in Teams ein größeres Softwaresystem entwickeln. Das Ziel: Die Phasen eines Softwareprojekts sowie typische Methoden und Hilfsmittel kennen lernen und einüben. In diesem Semester wird das Seminar erstmals auch als virtuelles Projekt angeboten, an dem ein Team aus Osnabrück teilnimmt. Die Aufgaben sind identisch, nur die Osnabrücker Arbeitsumgebung ist etwas anders. Während sich in der Vorlesungsphase in Oldenburg rund 160 Studenten in den Hörsaal drängten, konnten die Osnabrücker der Vorlesung in kleiner Runde und gelöster Atmosphäre aus dem Seminarraum folgen: "Hier hatte das mehr Seminarcharakter, entsprechend größer waren auch die Neigungen zu Zwischenfragen."

"Natürlich war auch die virtuelle Lehre ein Grund, an diesem Projekt teilzunehmen", bringt Stephan Weller die Motivation für die Osnabrücker Studenten auf den Punkt: "Der Reiz dabei ist die unübliche Technik, die vielleicht in zehn oder 15 Jahren zum Standard an Universitäten gehören wird." Gibt es Probleme damit, dass man nicht genau weiß, was der Dozent gerade hört oder sieht? "Nein."

Noch vor wenigen Jahren wäre eine derartige Kooperation zwischen Hochschulen undenkbar gewesen. Für die multimediale Kooperation wurde die Technik eigens angeschafft. Gefördert wurde das Projekt vom Land Niedersachsen. "Als das Land nach Leuten suchte, die an so einem Projekt Interesse haben, habe ich den Finger gehoben", so Professor Dr. Oliver Vornberger, der das Projekt auf Osnabrücker Seite wissenschaftlich betreut. Schließlich mache es Sinn, wenn Osnabrücker Studenten von guten Angeboten anderer Universitäten profitieren können.

Das technische Herzstück für die virtuelle Lehre ist noch ein Etage höher: Zwischen Serverschränken, Kabeln und Mischpulten sorgen Dr. Andreas Knaden und Ansgar Bockstiegel dafür, dass die virtuelle Lehre nicht zur realen (Bildschirm-)Leere wird.